Montag, 1. Februar 2010

Vonholdt: sexuelle Identität im Leben mehrfach wandelbar

Christl Vonholdt hat es wieder einmal geschafft und zeigt völlig neue wissenschaftliche (?) Erkenntnisse auf. So lässt sie auf medrum.de dem erstaunten Leserkreis verlauten:
Es gibt Menschen mit homosexuellem Begehren und/oder Verhalten, die dennoch für sich eine heterosexuelle Identität in Anspruch nehmen. Zudem sind sexuelles Begehren, sexuelles Verhalten und sexuelle Identität im Lauf eines Lebens mehrfach wandelbar.
Sexuelles Verhalten, Verlangen und die sexuelle Identität als austauschbare Begriffe darzustellen ist sehr mutig: allerdings ist die Wissenschaft mittlerweile völlig anderer Meinung, wie zahllose Berichte verschiedener Ärzte und Wissenschaftler die letzten Jahre bestätigen.

Frau Vonholdt hofft, dass Homosexuelle nicht in Artikel 3 des Grundgesetzes als schutzwürdig mitaufgenommen werden:
Es gibt keinen Grund, warum verschiedenes subjektives sexuelles Begehren und persönliche sexuelle Verhaltensweisen grundgesetzlich unter Schutz zu stellen wären
da sie die sexuelle Orientierung mit allen möglichen sexuellen "Verhaltensweisen" gleichstellt, ist die Argumentation verständlich - macht sie aber nicht richtiger. Sie folgert dementsprechend, dass eheliche Polygamie und Pädophilie genauso "Verhaltensweisen" seien wie die sexuelle Orientierung Heterosexueller wie Homosexueller. Da bleibt dem Leser nur noch ein ungläubiges Kopfschütteln. Es mag nicht verwundern, wenn bekannt ist, dass Christl Vonholdt aus dem extremen evangelikal-christlichen Spektrum stammt und aktiv in der Exgay-Bewegung in Deutschland mitwirkt. Ihre Publikationen stießen die letzten Jahre auf zahlreiche Kritik.

Kommentiert: StevenMilverton - Christls Tagebuch

Kommentare:

Kristian hat gesagt…

Heißt das, dass deiner Meinung nach (homosexuelle) Pädophilie keine sexuelle Orientierung darstellt? Solche Leute also durchwegs krank sind und der Therapie bedürfen? Als jemand, der in einer monogamen schwulen Partnerschaft lebt und trotzdem um seine Gefühle für Jungs weiß (und diese auch durchaus auslebt was Intimität und Nähe angeht), fände ich solch ein Denken sehr bedauerlich.

ExGay-Observer hat gesagt…

Danke für den Eintrag!
Pädophilie, egal ob homo- oder heterosexuell orientiert, ist therapierbar:
www.kein-taeter-werden.de

Verschiedenste sexuelle Neigungen gibt es in jeder sexuellen Orientierung, ist so deshalb nicht wirklich vergleichbar.

schnullibulli hat gesagt…

Mit Fr. Dr. Vonholdt‘s Beschreibung lässt sich zum Beispiel Heterosexualität, Homosexualität, Pädophilie und Polygamie analog gleichsetzen. Ich kann ihre Denkweise deshalb nicht nachvollziehen.
Fr Dr. Vonholdt sowie wir Leser täten gut daran diesbezüglich Fachliteratur zu konsultieren.

Grundsätzlich würde ich generell von zwei (2) Geschlechtern ausgehen, die sich wiederum an mindestens eine dieser beiden ausrichtet (orientiert). Gerne können es von mir aus auch 5 sein, sind es aber laut meinem heutigen Stand über menschliche Biologie nicht.

Sexuelle Identität:
Es gibt die sexuelle Identität des Mannes (männlich) und der Frau (weiblich). Dies steht im Übrigen weder im Gegensatz zu einem Intersexuellen noch zu einem Transidenten. Wenn man ihnen glauben darf, ordnen sie sich selbst lediglich ,einer‘ dieser sexuellen Identitäten zu.

Sexuelle Orientierung:
Die sexuelle Identität (z.B. der Mann, die Frau) fühlt sich nun vom anderen, gleichen oder beiden Geschlecht/ern angezogen.
Die Anziehung zu einem „Kind“ (Pädophilie) hat in erster Linie nichts mit dessen Geschlecht (männlich/weiblich) zu tun und kann somit nicht der sexuellen Orientierung zugeschrieben werden.

Schlußfolgerung:
Sexuelle Zuneigung und Geschlechtsverkehr findet somit im Einklang von sexueller Identität und Orientierung zwischen Männer und Frauen - gegen- und/oder gleichgeschlechtlich - statt.
Wenn man möchte kann man dies auch - um mit Fr. Vonholdts Begriffe zu sprechen - mit ,verschiedenem subjektivem sexuellen Begehren und persönlichen sexuellen Verhaltensweisen‘ beschreiben.

Nun zu Pädophilie und Polygamie.
Was ist die Definition und wie steht es in Zusammenhang mit sexuelle Identität und sexuelle Orientierung?

Ist Pädophilie eine sexuelle Orientierung?
Pädophile interessieren sich an prä-pubertäre Jungen und Mädchen. Obwohl ihre Präferenz immer auch mit ihrer sexuellen Orientierung (des hetero- und/oder homosexuellen Empfindens) in Zusammenhang steht, kann sie nicht in ein- und denselben Topf geworfen werden. Die sexuelle Orientierung „springt“ auf das Geschlecht des Gegenübers an, die pädophile Empfindung hängt mit der sexuellen Anziehung eines ganz bestimmten Alters eines Partners zusammen (welches sexuelle Reize auslöst).
Im Unterschied zu einer beidseitigen Übereinkunft hinsichtlich des sexuellen Begehrens, ist dies bei der Pädophilie nicht gegeben. Wird der Pädophile sexuell aktiv wird er zum Pädosexuellen und agiert übergriffig (durch manipulatives Steuern eines Entscheidungsunfähigen) und macht sich aufgrund des Übergriffs - nicht aufgrund seiner Empfindungen - strafbar.
Ein Pädophiler mit beispielsweise einer homosexuellen Orientierung, ist grundsätzlich sowohl pädophil als auch homosexuell. Pädosexuelle Handlungen sind strafbar (s.o.), unabhängig welche sexuelle Orientierung zugrunde liegt. Gegen zwischenmenschliche Nähe und Zuneigung durch einen Pädophilen an Jungen oder Mädchen spräche m.E. nichts, solange der Betroffene sich seiner Grenzen bewusst und diese einzuhalten fähig ist. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Herausforderung des Umgangs des dabei entstehenden sexuellen Drucks durch die unerwünschte Lebensweise und das dadurch fehlende Ventil des Sexualtriebs, welches jederzeit ein Übergriff begünstigen kann und lebenslange psychische Schäden des Opfers nach sich ziehen würde.
Pädophilie wird als psychische Störung (der Sexualpräferenz) angesehen.

Polygamie/Monogamie
Polygames oder monogames Verhalten hat nichts mit einer Orientierung zu tun, sondern ist eine partnerschaftliche Lebensform.

ExGay-Observer hat gesagt…

Dankeschön für die sehr gute sachliche und fundierte Erklärung!

schnullibulli hat gesagt…

Für Leser, die nicht so tief im Thema sind, darf folgendes noch hinzugefügt werden:

Sexuelle Identität (Geschlechtszugehörigkeit) bezieht sich immer auf die innerpsychische Identität.
Dies ist besonders für Nicht-Betroffene in Bezug auf Intersexualität (Zwittertum) und Transidentität wichtig zu wissen.

Man kann auch sagen: Sexuelle Identität ist etwas das zwischen unseren "Augen", nicht jedoch zwischen unseren "Beinen" gesteuert wird.

Deshalb scheinen mir "Beobachtungen", welche sich speziell oder ausschließlich auf Äußeres konzentrieren, unglaubwürdig.
Beispiele vieler Intersexuellen veranschaulichen meines Erachtens die Problematik:
Intersexuelle sind in irgendeiner (biologischen) Form im Besitz beider Geschlechtsorgane (männlich und weiblich). Nun werden/wurden sie sehr früh aus mehreren Gründen von Erziehungsberechtigten für ein bestimmtes Geschlecht festgelegt. Da das betroffene Kleinkind meist nicht zu Rate gezogen werden kann, wird ihre sexuelle Identität ihren äußeren Geschlechtsorgane (dem, was sich zwischen den Beinen befindet) zugeordnet. Sicherlich gibt es dafür erst einmal genügend erklärliche Gründe.
Aber nicht einmal Laien dürften sich nun wundern, wenn aller spätestens in der Pubertät des Betroffenen mögliche innerpsychischen Konflikte hinsichtlich der sexuellen Identität zu Tage treten.
Ein sicherlich heutzutage seltener religiöser Ratschlag "Nimm dich doch so an, wie Gott dich [mit deinen äußeren Geschlechtsorganen] geschaffen hat" wäre nicht nur sehr oberflächlich gedacht, sondern in einer aufgeklärten Gesellschaft schlichtweg unverschämt.
Bei diesem Zwitter-Beispiel mag uns wohl der Gedanke einleuchten, dass sich hier ja auch noch die (inneren) Geschlechtsorgane des anderen Geschlechts befanden. Ob und in welchem Zusammenhang es nun zum innerpsychischen Empfinden steht, ist selbst bei der Heterosexualität Stand heute unerforscht.

Die sexuelle Orientierung kann meiner Meinung nach genauso wenig auf Äußeres festgelegt werden.
Im Sinne von, "wenn beispielsweise weibliche Geschlechtsorgane vorhanden sind, ist automatisch eine innerpsychische Anziehung zum Mann definiert" ...

>>> weiter in Teil 2 des Kommentars ...

schnullibulli hat gesagt…

>>> Teil 2 des Kommentars:

Wird ein Wunsch zur Veränderung der sexuellen Orientierung kundgetan, tut man gut daran die Hintergründe des Wunsches unvoreingenommen (soweit das möglich ist) zu beleuchten.
"Ich will normal werden!" scheint mir tatsächlich ein aufrichtiger und verständlicher Grund zu sein, verändert werden zu wollen - nicht jedoch der Hauptgrund. Häufige Hintergründe können der Gesellschaftsdruck und die Überzeugung religiöser Grundsätze sein. Somit ist solch ein Wunsch zwar naheliegend, allerdings steht er "leider" nicht in Verbindung zum tatsächlichen innerpsychischen Erleben.
Unabhängig davon gibt es die sicherlich seltenere Variante der Hemmungs-Hetero-/Homosexualität (eine Art Pseudoverhalten), die oftmals eine Flucht vor dem Gegengeschlecht darstellt, welches der "Hemmungs-Homosexuelle" mit einem Ersatzverhalten (homosexuelles Verhalten) kompensiert. In diesem Fall will und muss der Betroffene das Ersatzverhalten gar nicht unterdrücken, d.h. er kann und will es durchaus ausleben. Sobald die Phobie zum Gegengeschlecht abnimmt, wird er ohne Druck von außen seinen eigenen Empfindungen der Heterosexualität ausleben.
Und genau hier befindet sich der Knackpunkt.
Viele Homosexuelle (zumindest alle mir persönlich bekannten) leiden daran, dass sie "so" empfinden und sich nicht ändern können. Sie versuchen ihre innerpsychischen Empfindungen in ihrem sexuellem Verhalten zu unterdrücken. Ein psychisch zerstörerisches Unterfangen, welches nichts mit einer Hemmungs-Homosexualität zu tun hat.

Ich bin generell nicht gegen unerklärliche Wunder, was eine Veränderung der sexuellen Orientierung betrifft und schon gar nicht gegen eine vernünftige Therapie einer "Hemmungs-Homosexualität". Heterosexuelle dürfen auch jederzeit gerne als Homosexuelle "aufwachen" und umgekehrt. Nur tun dies homosexuell Empfindende im Gegensatz zu Hemmungs-Homosexuelle selten, um nicht zu sagen, gar nicht. Das geben selbst betroffene Leiter religiöser Organisationen - wenn auch verschleiert - zu, die Veränderungshilfe anbieten. Da mir im Übrigen keinerlei areligiöse "Umtherapierungsorganisationen" bekannt sind, liegen dort ideologische Beweggründe nahe.

Kristian hat gesagt…

@ExGay-Observer: Für Pädophile, die Angst haben, dass sie Kinder missbrauchen, ist der Link, den du gepostet hast, sicher wichtig. Schon mit dem 'Kein Täter werden Vol. 2' hat sich das Projekt für mich aber schwer entzaubert, da ich es mir nicht einleuchtet, dass es (veränderten Gesetzen sei dank) plötzlich Jugendpornographieabhängige geben soll, die sich gefälligst auch einer Therapie unterziehen sollen. Auch diesen Quatsch von wegen 'jeder Klick ist Missbrauch' ist weder wissenschaftlich noch normal-verstandesgemäß in irgendeiner Weise haltbar.

Eine Therapie für normale homosexuelle Pädophile ist dagegen genauso absurd wie eine Therapie für normale Homosexuelle.

ExGay-Observer hat gesagt…

Bei Kindermissbrauch vor laufender Kamera hört nur jeder "Quatsch" auf. Die Entwürdigung und Traumatisierung zahlloser Kinder durch pädophile Täter ist durch nichts zu rechtfertigen.
"Marco" ist Ende 30 und musste sich selber mit seinen pädophilen Neigungen auseinandersetzen. Er versucht seither anderen in ähnlicher Lage mit seinem Projekt zu helfen: http://www.schicksal-und-herausforderung.de. Lesenswert.

Kristian hat gesagt…

Ich frage mich ernsthaft, welche Gefahr von uralten Bildern ausgeht, die sich eine Einzelperson unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Zweck der Selbstbefriedigung ansieht. Von gezeichneten Bildern und erfundenen Geschichten ganz zu schweigen. Im Gegenteil werden da mit der jetzigen Gesetzgebung immer wieder Lebensentwürfe von Menschen durch Hausdurchsuchungen zerstört, die der Gesellschaft eigentlich sehr viel geben hätten können (und klar sind die irgendwie selbst schuld...).

Lesenswerter als Marcos peinlich anbiedernde Ansichten sind die Texte auf ITP Arcados http://www.itp-arcados.net/index.php - die haben wenigstens was mit der Lebensrealität von vielen homosexuell-pädophilen Menschen zu tun. "Marco" kommt irgendwie klar mit seiner Sexualität (und das teils durch völlig unnötigen Verzicht auf Lebensqualität), das kann ja wohl nicht die Lebensvision eines gesunden pädophilen Menschen sein.

ExGay-Observer hat gesagt…

Es gilt das Recht der freien Meinung, auch hier. Ich kann mich der Auffassung von Kristian aus ethischen Gründen nicht anschließen und verweise zur weiteren Diskussion auf entsprechende Diskussionsforen.
Siehe Google-Vorschläge