Sonntag, 14. März 2010

Bericht: Ex-Gay-Story

Ein guter Freund hat uns von seiner Zeit bei Wüstenstrom berichtet, seinen mehrjährigen Bemühungen als Ex-Gay und seinen Erfahrungen innerhalb des evangelikal-christlichen Umfelds. Der Bericht ist ab sofort hier als PDF zum Runterladen erhältlich.

Man bekommt in beklemmender Weise einen Eindruck davon, was es bedeutet, sich aus religiösem Druck zu einer Umpoltherapie zu entscheiden, und wie ein jahrelang geführter Kampf gegen die eigene Persönlichkeit einen Menschen zum Verzweifeln bringen kann. In diesem Fall glücklicherweise mit einem positiven Ende. Dass ein Leben in ständiger Verleugnung und Lüge dann noch von Mitchristen gefordert wird, die eigentlich für Nächstenliebe und Respekt einstehen sollten, ist erschreckend. Dieser Bericht ist nur einer stellvertretend für hunderte ähnlicher Geschichten.

Wenn ich heute, nach einigen Jahren meines Coming-Outs und meiner befreienden Echtwerdung, immer noch den seelischen Schmerz spüre, dann hat es mit der tiefen jahrzehntelangen Sackgasse zu tun, in der ich keinen Ausweg sehen konnte. Dazu gehörte, dass ich mich vor Gott selbst verdammte, mit niemandem darüber reden konnte, gesunde pubertäre Gefühle und Gedanken über mein Sein im Keim ersticken musste, um nicht aus Scham und Angst von Christen bloß gestellt und erneut verdammt zu werden. Schließlich suchte ich die scheinbare Nummer 1 der „therapeutisch professionellen“ Seelsorgeorganisation auf dem Gebiet der Konversationstherapie auf: Wüstenstrom. Deren Ideologie und Therapieansätze stimmten mit meinem Wunschziel überein, Veränderung meiner sexuellen Neigung zu erfahren, um meinem seelischen Konflikt zu entfliehen.

In der Beschreibung wird man auf eine herausfordernde Konfrontation des Konflikts zwischen Gefühl und eingetrichtertem Glauben mit hineingenommen. Die Arbeit bei Wüstenstrom scheint dabei lediglich zu mehr Ernüchterung, denn zu einem evangelikal-gewollten Ergebnis einer Heterosexualisierung geführt zu haben:

Von Wüstenstrom-Mitarbeitern wurden die Hintergründe meiner Überzeugung weder beleuchtet noch sinnvoll in Frage gestellt. Es wurde auch keine Ergebnisoffenheit kommuniziert oder eine lebbare Alternative meiner Homosexualität in Betracht gezogen. Ihr damaliges Praktizieren scheint völlig konträr zu ihren heutigen Presseinformationen zu sein. Ich bin völlig überzeugt davon, dass ihre heutige Angabe der Ergebnisoffenheit bewusst nach außen kommuniziert wird, um ein politisch und psychotherapeutisch korrektes Verhalten vorzutäuschen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Therapieansätze, wie sie heute üblicherweise von kompetenten Therapeuten angewendet werden, die Existenz von Wüstenstrom in ihrem christlich konservativen Umfeld sozial und finanziell gefährden würde. [...] Wüstenstrom hat mir lebbare und sinnvolle Lebensansätze vorenthalten. Daher fühlt sich meine ohnehin verletzte Seele über Jahre hinweg von ihnen misshandelt. So saß ich nun da, in der Lebensmitte, zerbrochen und psychisch am Ende.

Inwiefern er dabei von Christen Unterstützung erfahren hat, beschreibt er folgendermaßen:

Können bibeltreue Christen ihr der Thematik abweisendes Verhalten einfach mit dem Satz „Es ist halt Sünde“ rechtfertigen? Ich weiß, dass es so einfach nicht sein kann. Ich war selbst bis Mitte 30 der völligen Überzeugung dieser „eindeutigen“ Bibelinterpretation und der Klarheit darüber was biologisch, psychologisch und spirituell schöpferisch „normal“ und was abnormal sei. Damit „das“ endlich aufhört, hatte ich Ende 20 hilferingend nach einer Therapie gesucht und sie scheinbar auch bei Wüstenstrom gefunden. Aus Scham hatte ich es geheim gehalten. Nach Jahren des Einsatzes meiner Zeit, meiner Energie und meiner Finanzen, musste ich realistisch feststellen, dass weder ich noch all die anderen, die ich von damals bis heute kenne, „geheilt“ werden konnte - auch wenn es in den Medien und Presseinterviews stets anders dargestellt wurde. Bei Wüstenstrom blieb ich erneut mit meinem Eindruck zurück, nicht genug für meine Veränderung getan zu haben. Ich war, wie ich heute weiß, in bester Gesellschaft, obwohl ich damals dachte, ich sei mit ein paar anderen der einzige bei dem sich gar nichts ändert. [...]
Leider wird man in christlich konservativen Kreisen geradezu genötigt, sich immer wieder
für Dinge zu rechtfertigen, für die man nichts kann. Es wird einem nicht abgenommen, alles versucht und geleistet zu haben, was in seiner Macht steht. Die ständigen Aufforderungen, man solle es doch noch einmal versuchen. Und dann noch einmal. Und immer wieder. Es macht mürbe, nicht Ernst genommen zu werden. Deshalb braucht es oft eine Distanz zu Mitchristen, was wiederum von deren Seite aus nahe liegenden Gründen vorschnell als ,von Gott abtrünnigʻ gedeutet werden kann.

Entsprechende Christen mit ihrem ausgrenzenden Verhalten sollten daher mit ihrem eigenen Anspruch gemessen werden:


Der Anspruch, den bibeltreue Christen in Bezug auf Gründlichkeit gegenüber dem Wort Gottes haben und auf den sich ihre Menschenliebe und ihr Gottvertrauen gründet, muss auch das Maß sein dürfen, an dem sie gemessen werden dürfen. Das Nicht Befolgen des Liebesgebots von Christus, die Ablehnung bestimmter Menschen inklusive ihrer natürlichen Triebe (im ganzheitlichen Sinne) ist „Sünde“, weil Ablehnung Menschen zerstört.

Homosexualität sucht sich keiner freiwillig aus:
Für mich ist heute völlig unverständlich, wenn „kompetente“ Seelsorger tatsächlich glauben und kommunizieren, Menschen würden sich der Homosexualität freiwillig aussetzen und sich dazu entscheiden. Das Schlimmste für Betroffene ist, nicht ernst genommen zu werden - die ständige subtile Unterstellung, das man sich selbst anlügen würde, einem sexuellen Missbrauch zum Opfer fiel, massive psychische Probleme die Ursache seien oder eben das gängige oberflächliche Ursachenprofil eines dominanten Mutter- und distanzierten Vaterbildes...
Den kompletten Bericht lesen: (PDF 34 KB)

Weiterführende Informationen: ExGay-Bewegung: Wüstenstrom

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

dieser bericht ist leider unglaubwürdig. da gibt es sehr viel geschwurbelte theorie, sehr viel überzeugungs-, missionierungswunsch - vermutlich war die person, die das verfasst hat, gar nicht selbst je bei wüstenstrom. zumindest erfahre ich keine einzige information, die den eindruck erwecken könnte, die person wüsste, wovon sie spricht. ich wäre sehr vorsichtig damit, das so zu verbreiten - und schließlich: wenn die person heute zufrieden homosexuell lebt und von den eigenen einengenden gedanken heute lassen kann, scheint wüstenstrom ja immerhin nicht alles falsch gemacht zu haben...

Anonym hat gesagt…

Was erlauben Sie sich eigentlich, diesen Erfahrungsbericht eines Betroffenen in derart ignoranter und widerwärtiger Manier in den Schmutz zu ziehen???

Es gibt inzwischen unzählige dokumentierte Fälle der beispiellosen, menschenverachtenden Gewalt, die verbrecherische Organisationen der so genannten Ex-Gay-Bewegung homosexuellen Menschen antun! Nicht umsonst hat die deutsche Bundesregierung solche Praktiken, die ganz klar in der Tradition der Nazis stehen, unmissverständlich als unwissenschaftlich und potenziell lebensgefährlich verurteilt.

Machen Sie sich also keine Hoffnungen, dass Sie Ihre widerliche Pathologisierung und Ihre Angriffe auf die Menschenwürde von Homosexuellen noch lange unbehelligt fortsetzen können. Wir werden nicht ruhen, bis solche lebenszerstörenden Methoden, die Menschen bis hin zum Selbstmord treiben, als die Verbrechen behandelt und geahndet werden, die sie sind, und ausdrücklich verboten werden!

Anonym hat gesagt…

oh oh, der übliche Hass entlädt sich... - dadurch wird aber keine der Aussagen belegter oder richtiger.

der anonyme Schreiberling des Textes ist vermutlich derselbe, der schon seit einigen Jahren in Internet-Foren mit immer ähnlichen Formulierungen schreibt - ohne dass jemals irgendeine Information enthalten wäre.

mein Tip: sucht doch Diskriminierung da, wo sie wirklich stattfindet und lasst andere in Ruhe

Anonym hat gesagt…

Wüstenstrom ist dafür bekannt über ehemalige Klienten herzuziehen, die ihnen zum Opfer gefallen sind und sich jetzt kritisch äußern.

Sie bedrohen Ihre ehemaligen Klienten mit Rechtsanwälten, um Sie einzuschüchtern.

Man braucht nur mal den Jahresbericht von 2008 lesen:

"unsere Bemühungen, den anonymisierten Ratsuchenden durch unsere Rechtsanwälte dazu zu bewegen, in Zukunft seine Falschaussagen zu unterlassen,
scheiterten. So gilt der Betreffende weiterhin als unbekannt und ich werde mich infolge in Wahrscheinlichkeiten
ausdrücken – aber auch Wahrscheinlichkeiten können sehr belastend sein.

Wahrscheinlich also handelt es sich bei dem anonymen Mann um einen früheren Ratsuchenden von mir. Wahrscheinlich leidet dieser Mann unter Symptomen wie: starke Schwankungen im Selbsterleben und im Erleben von Beziehungen, häufige Beziehungsabbrüche, labiles Gefühlsleben, riskante Verhaltensweisen (im Alltag,
im Verkehr, im Bereich der Sexualität).

Wahrscheinlich hat der Mann aufgrund seiner Problematik die Beratungsbeziehung zu mir abrupt beendet und verwendet starke Hassgefühle dazu, seine Entscheidung innerlich zu
rechtfertigen. Wahrscheinlich wurde diese Gefühlslage von Homosexuellenverbänden und Journalisten fehlgedeutet
und ausgenutzt.

...

Wahrscheinlich war der Grund des Mannes, die Beratung zu verlassen, dass ich ihm nicht genügend Druck machte,
sein Sexualverhalten zu ändern. Vermutlich wollte er lieber zu einem Berater oder Seelsorger, von dem er sich schnellere Veränderungen versprach."

http://www.wuestenstrom.de/dyn/mediaout.dhtml/404b9e137a18f81866ug/mime/Rundbriefe/rundbrief_2008/Rundbrief2008EndfassungDruck.pdf

Seite 17. ff

ExGay-Observer hat gesagt…

Ich kann die anonymen Schreiber beruhigen, der Betroffene ist uns persönlich gut bekannt, wir können die Richtigkeit des Artikels bestätigen. Es gehört eine Menge Mut dazu, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, und wir respektieren diesen Schritt außerordentlich. Es ist kein Geheimnis, dass jede Menge früherer Klienten von Wüstenstrom heute fachpsychologische Hilfe aufsuchen. Über 70% der Hilfesuchenden brechen bei Wüstenstrom die Therapie ab.
Ich weiss, es klingt sehr ungeheurlich, wenn ich z.B. meine eigenen Erfahrungen mit Wüstenstrom irgendeinem Arzt erzähle, ernte ich regelmäßig Kopfschütteln. Deshalb ist dieser Bericht auch so wichtig.
Vielen Dank fürs Lesen!

ExGay-Observer Deutschland.

Anonym hat gesagt…

Liebe Leute von Wüstenstrom!
Ich kenne wirklich einige Homosexuelle, die psychische Probleme haben. Die haben sie aber nicht weil sie aufs gleiche Geschlecht stehen sondern weil sie sich selber ständig in Frage stellen müssen, da sie von ihrer Umwelt nicht akzeptiert werden oder diese sie glauben lässt, sie müssten jemand anderes sein. (Diejenigen Homosexuellen, die ich kenne, die auf Akzeptanz stoßen, haben auch keine Probleme.)So, die aufmerksamen Leser haben schon bemerkt worauf ich hinaus will. Organisationen wie Wüstenstrom stellen, meiner Meinug nach, Homosexualität in Frage und zerstören damit gesunde Psychen. Noch einmal: Das ist meine ganz persönliche Meinung wer sinnvolle [!] Gegenargumente hat möge sie vorbringen.
Den ersten Kommentar hier fand ich übrigens sehr anmaßend! Wenn jemand so offen über solche Erfahrungen redet ist es nicht gerade die feine britische Art gleich gegen ihn zu wettern:"dieser bericht ist leider unglaubwürdig" Außerdem ist diese Feststellung in keinster Weise belegt. Es müsste lauten: Dieser Bericht erscheint mir unglaubwürdig.
Ach ja, auch wenn ich nicht so wahnsinnig bewandert in der Bibel bin, ich dachte immer Gott kann man nicht belügen. Gott weiß also demnach eh wenn man homosexuell ist. Die eigentlich Sünde besteht darin sich selber und seine Mitmenschen anzulügen und zu versuchen jemand anderes zu sein.Denke ich jedenfalls. Warum sollte Gott eigentlich homosexuelle Wesen erschaffen wenn er sie nicht mag? Ich denke da zum Beispiel an die bösen homosexuellen Bonobos oder transsexuelle Muscheln und was es da nicht noch alles gibt...
Homosexuelle umpolen ist wie Äpfel in Tomaten verwandeln. Es geht einfach nicht! Man muss den "armen Homosexuellen" auch nicht helfen zu Heteros zu werden um sie glücklich zu machen, man kann auch Homo ganz glücklich sein!
Einen lieben Gruß!

Anonym hat gesagt…

ui, da lehnt sich der exgay-observer aber weit aus dem fenster: jede menge sucht fachpsychologische hilfe auf, über 70% bricht therapie ab, eigene erfahrungen mit wüstenstrom, die bei hausarzt kopfschütteln verursacht... du bist ja voll der insider, der natürlich den insider persönlich kennt, der hier seine deutungen über angebliche erfahrungen mit den wüstenstrom-leuten verbreitet... mehr davon bitte!!! :-)

ExGay-Observer hat gesagt…

Ja der bin ich. Den anderen Kommentar habe ich wegen dem offenen Zynismus entfernt. Bitte sachlich bleiben.

Anonym hat gesagt…

Ich wüsste gerne, woher die Weisheit stammt, Gott hätte "homosexuelle Wesen" erschaffen? Das wird immer mit dem Brustton der Überzeugung verkündet - aber woher weiß man das? Das widerspräche völlig seinem Schöpfungsplan von Mann und Frau - und Gott widerspricht sich nicht.

ExGay-Observer hat gesagt…

Eine weitere gute Frage wäre, warum Gott transsexuelle Kinder schafft. (Doku auf Youtube dazu). Oder warum Jesus davon spricht, dass manche zur Kinderlosigkeit bestimmt seien, wenn Gott doch den Schöpfungsauftrag an den Menschen weitergibt. (Siehe dazu Bericht auf jesus.de).
Es ist nun mal nicht so einfach wie man es sich gerne wünschte. Diese Menschen gibt es nun mal. Es kommt doch schlussendlich nur auf die Liebe an, wie wir miteinander umgehen, ob wir uns annehmen können wie wir sind oder uns ausgrenzen müssen. Wer die Bibel ernst nimmt, kommt an der Liebe nicht vorbei. Wo aber die Liebe regiert ist kein Platz für Boshaftigkeiten mehr.

Anonym hat gesagt…

>"Gott widerspricht sich nicht"

das stimmt. willkommen in der neuzeit: gott spricht überhaupt nicht.

mir ist es ein rätsel, wie man seine moralischen standards aus z.t. bronzezeitlichen textfragmenten herleiten kann, die u.a. auch die sklaverei, die todesstrafe, die vielehe, zwangsehen und vielen andere heute zu recht als unmoralisch geltende dinge rechtfertigen.. da pickt man sich ein paar rosinen raus und erklärt sie zu gottes o-ton.

okay, kann jeder machen, wie er will. es soll nur kleiner behaupten, es gebe irgendwo eine eindeutige wahrheit.

moralische standards verlangen heute rationale begründungen, die auf der beobachtung der realität beruhen. der verweis auf eine individuelle auslegung historischer texte reicht da einfach nicht mehr aus.

Anonym hat gesagt…

Die Liebe kann nicht für alles als Rechtfertigung herhalten. Dann könnte sie auch Ehebruch und Inzest legitimieren. Die Regeln Gottes gelten trotzdem noch. Auch Jesus hat diese nicht aufgehoben, sondern erfüllt. Das ist etwas anderes.

ExGay-Observer hat gesagt…

Die Liebe erfüllt den Willen Gottes, der uns in seiner bedingungslosen Liebe zuerst geliebt hat. Das dürfen wir ihm gleichtun. Unseren Nächsten bedingungslos lieben. Auch Jesus tat nichts anderes. Wenn man unter diesem Aspekt den Betroffenenbericht ehrlichen Herzens liest, wird man selbst betroffen reagieren, weil bewusst wird, dass hinter dieser Geschichte ein Mensch steckt, der jahrelang mit sich gerungen hat, ohne die entsprechende Hilfe bekommen zu haben, die er vielleicht gebraucht hätte, von denjenigen, die vorgaben, helfen zu können. Jemand, der nach Jahren vor einem Scherbenhaufen steht, nur weil er alles versucht hat, was Mitchristen ihm aufgetragen hatten. Dieser Bericht zeigt, dass Gottes Wille definitiv nicht sein kann, Menschen zu zerstören. Wo stehen wir dann als Christen? Zerstören wir andere Menschen, oder nehmen wir Jesus Christus als Vorbild wieder ernst?

Anonym hat gesagt…

Nein, nicht die Liebe erfüllt den Willen Gottes, sondern Jesus. Und der hat der Ehebrecherin - die er NICHT verurteilte - gesagt: Hör auf zu sündigen! Er hat nicht gesagt: Mach nur weiter damit, du liebst ja den Mann, dann ist das doch okay.

Anonym hat gesagt…

Hallo alle diejenigen, die ihr mit dem Wüstenstrom schwimmt! Es ist Zeit sich ein eigenes Bild zu machen und umzudenken! ;)
Ich glaube nicht, dass es Sünde ist homosexuell zu sein aber wenn es eine wäre, dann bestimmt eine verzeihliche. Ich bin btw nicht gläubig aber ein guter (heterosexueller)Christ hat mir mal (in einem ganz anderen Zusammenhang) erzählt er weiß, dass er sündigt aber das sei menschlich. Wenn man nicht sündigen würde wäre man ja wie Jesus und ein Normalsterblicher könne nicht wie Jesus sein. Was ich damit sagen will ist, egal ob wir Homosexuellen nun eine Sünde begehen oder nicht ihr solltet uns nicht so scharf Verurteilen! Erstens ist das NICHT eure Aufgabe und zweitens habt ihr nämlich auch eure Schwächen. Wir Verurteilen euch auch nicht weil euch mal ein Fluch über die Lippen kommt, ihr euch abends eine Flasche Bier genehmigt, ihr manchmal heimlich jemandem die Pest an den Hals wünscht, sexuelle Fantasien außerhalb eurer Ehe habt oder ganz egoistisch an dem Bettler am Straßenrand vorbeigeht ohne ihm etwas Geld hineinzulegen oder mit ihm ein paar Worte aus Nächstenliebe zu wechseln. Also, selbst wenn (und ich wage das stark zu bezweifeln)Homosexualität eine Sünde ist, sündigen macht niemanden zu einem schlechten Menschen sondern überhaupt erst zu einem. Gott würde wohl später nie zu einem homosexuellen sagen: "Oh du warst bei der freiwilligen Feuerwehr, warst immer freundlich und hast anderen Menschen gerne aus schweren Lebenslagen herausgeholfen, hast nebenbei noch beim Naturschutz mitgemacht aber oh- was muss ich hier sehen mein lieber Freund?! Du bist Homosexuell? Tut mir leid! Dann haben wir im Himmel keinen Platz für dich! Wir nehmen lieber den Grießgram von da drüben, der hat zwar nie besonders viel gutes getan aber er war aus Pflichtbewusstsein jeden Sonntag in der Kirche und hatte nur eine Frau (er hätte schon gerne mehr gehabt aber keine andere wollte ihn)." Das ist doch absurd! Wenn Gott wirklich so böse und strafend ist würde ich schon alleine aus Protest nicht an ihn glauben aber wenn er der Gute Gott ist an den ihr immer glauben mögt, dann werdet ihr Heten, die ihr gegen uns Homos wettert sehr überrascht sein, wenn ihr einmal vor ihm steht! Da bin ich mir sicher!
So ihr Bibeltreuen Christen und nun fasst euch doch mal an die eigene Nase! Was sind eure kleinen Laster? Falls euch nichts einfällt hier ein Vorschlag: Ist vielleicht eines davon, dass ihr behauptet die Bibel richtig verstanden zu haben und alleine ihr die richtige Interpretation habt? Vielleicht stimmt ja auch unsere Interpretation. Ich finde kein Mensch sollte sich anmaßen zu behaupten er hätte die Bibel wirklich verstanden. Dazu lässt sie zu viel Interpretationsspielraum.
Dann bin ich mal gespannt was ihr so zu erwidern habt!
Liebe Grüße

Anonym hat gesagt…

Sünde ist Sünde, aber laut Neuem Testament wiegen Sünden, die wir mit dem Körper begehen, wohl schwerer als andere - darunter fällt praktizierte Homosexualität genauso wie Prostitution, außerehelicher Sex, sexueller Missbrauch, Ehebruch etc. In dem Sinne kommt der gelebten Homosexualität keine Sonderstellung zu.

Als Christ kann ich etwas nicht gut und richtig nennen, was Gott nicht genauso sieht (die Belegstellen sind so deutlich, da gibt es keinen Interpretationsspielraum, es sei denn, man konstruiert abenteuerliche Thesen). Das wäre genauso, als wenn man behauptete, der Slogan "Geiz ist geil" sei im Sinne Gottes und man könne getrost danach leben - auch wenn Geiz als Sünde benannt wird. Findige Leute werden dann sicher auch einen Dreh finden und ihren Geiz in Sparsamkeit umbenennen. Genauso wenig funktioniert der Trick, ein von Gott verurteiltes Verhalten in "Liebe" umzubenennen. Damit betrügt man nur sich selbst.

Anonym hat gesagt…

jedem, der ernsthaft glaubt, der bibel könne man _eindeutige_ moralische handlungsanweisungen entnehmen - und erst recht jedem, der das nicht glaubt - empfehle ich den bekannten "brief an dr. laura" zu lesen:

http://www.anarchismus.at/txt5/kanadier.htm

Anonym hat gesagt…

"Als Christ kann ich etwas nicht gut und richtig nennen, was Gott nicht genauso sieht" Da haben wir, was ich meine! Das hört sich jetzt so an als wären Sie ein frommes Lamm und das kaufe ich Ihnen nicht ab!
Na zum Glück kann ich das ja Gott überlassen was Gut und Böse ist! (Ach stimmt ja, ich bin ja garnicht gläubig...) ;) Mal eine ganz andere Frage: (Und bitte gehen Sie ehrlich in sich und plappern nicht einfach Gottest Worte nach!) Hätten sie die Regeln gemacht, hätten Sie Homosexuallität dann zu einer Sünde gemacht? Und wenn ja mit welcher Begründung? Sind Homosexuelle schlechtere Menschen? Und kommen Sie mir nicht mit dem Gedanken der Kinderzeugung! Ich bin lesbisch und plane Kinder zu haben! (Biologisch gesehen funktioniert da nämlich alles...) Und ich bin mir sicher, dass es für ein Kind nicht von Nachteil ist zwei Mütter oder zwei Väter zu haben. Wem schaden die Homosexuellen frage ich Sie? (Denn nur das ist für mich ein Grund etwas als Sünde zu deklarieren!)
Und noch ein wenig was zum Nachdenken: Manche haben das Glück aus einigermaßen anständigen Verhältnissen zu kommen, sie können sich Bildung leisten, haben Liebe und Zuwendung erfahren und nie existentielle Ängste durchlebt, ander kommen aus anderen Verhältnissen und wurden anders sozialisiert. jeder von uns hätte mit der falschen Sozialisation zu einem "schlechten" Menschen werden können oder in Gewerbe wie Prostitution (die Sie ja so verteufeln) gedrängt werden können. Auch Sie! (Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche...) Es ist leicht zu behaupten etwas, dass einen selber nicht betrifft sei Sünde.
Also, während hier einige versuchen uns zu überzeugen wir sündigen versuche ich ebendiese weiterhin davon zu überzeugen, dass ihre Intolleranz und die Art uns zu diskriminieren und innerlich zu verletzen und uns seelische Schmerzen zuzufügen ebenso Sünde ist! Das was hier veranstaltet wird ist nicht der liebevolle Akt zu versuchen uns auf einen rechten Weg zu bringen es ist der sadistische Akt andere zu verletzen, die einem rein garnichts getan haben!
grüßle

Anonym hat gesagt…

Wenn Sie nicht gläubig sind, müssen Sie doch den Sündenbegriff der Bibel (= Zielverfehlung, nicht Regelverletzung) garnicht für sich in Anspruch nehmen und sich drunter stellen. Weshalb die Aufregung? Nur Christen müssen sich diesem Anspruch stellen. Die Gebote Gottes verstehe ich eher als Leitplanke denn als Verbot, die man aber nur mit Hilfe des Heiligen Geistes einhalten kann. Jesus nennt sie darum das "leichte Joch". Aber nirgendwo steht, dass Homosexuelle schlechtere Menschen als andere sind - wer das behauptet, kann sich nicht auf Gott berufen. Aber wie alle anderen Sünder verfehlen sie ihr eigentliches Ziel, die Gemeinschaft mit Gott, weil Gott nicht mit der Sünde Gemeinschaft haben kann. Man muss sich entscheiden, auch wenn es schwer fällt.

Anonym hat gesagt…

Nein, da haben Sie recht. Ich muss diesen Sündenbegriff für mich nicht in Anspruch nehmen. Dennoch möchte ich Ihnen nicht verschweigen, warum mich dieses Thema so beschäftigt. Der Grund ist ziemlich simpel: Ich habe viel Homosexuelle in meinem Freundeskreis, die durch den inneren Konflikt zwischen Glauben und Homosexualität sehr gelitten haben. Aus meinem distanzierten Blickwinkel habe ich mich oft gefragt wie ich mir Gott vorstellen würde, wenn es ihn gäbe und ich habe mir diese absolut einmaligen und liebenswerten Menschen angeschaut die so gelitten haben und habe mich gefragt ob es wirklich das ist was Gott will. Will Gott diese Menschen leiden sehen? Haben Sie eine Antwort darauf? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein Gott der Liebe so etwas möchte.
Ich hatte übrigens den Eindruck Ihr Ton ist liberaler geworden, wenn dem so ist, dann vielen Dank!
Liebe Grüße
Hannah

Anonym hat gesagt…

Liebe Hannah, den Konflikt zwischen Glauben und Homosexualität verstehe ich gut. Und ich glaube auch nicht, ebenso wie Sie, dass Gott Menschen leiden sehen will - er will überhaupt keinen leiden sehen, der das Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit beklagt. Auf welchem Gebiet auch immer. Ich habe eigentlich auch keine Antwort darauf, denn wir kennen ja auch alle körperliches Leiden, das durch kein Gebet hinwegggenommen wird und das Gott uns einfach zumutet. Ich denke, jeder hat so ein belastendes Päckchen zu tragen, und Menschen, die unter ihren homosexuellen Gefühlen leiden, gehören ebenso dazu. Wieso hat jemand Depressionen, ist krank, verliert liebe Menschen....? Ich denke, in diesem Leben bekommen wir darauf selten eine Antwort, höchstens kann jeder das nur für sich beantworten. Und trotzdem liebt Gott uns alle. Beides ist schwer zu verstehen, ich finde das auch nicht einfach. Lieber Gruß, Petra

schnullibulli hat gesagt…

Liebe Petra, häufig gehen Menschen davon aus (zumindest hört man das von evangelikalen Christen immer wieder), dass Homosexuelle "ein belastendes Päckchen zu tragen" haben bzw. "unter ihren Gefühlen leiden" würden. Ich bezweifle heute stark, dass es tatsächlich das persönliche Päckchen, sprich die persönlichen gleichgeschlechtlichen Empfindungen und Vorstellungen sind, unter denen der Homosexuelle leidet. Denn wären diese Empfindungen von familiärer, gesellschaftlicher und kirchlicher (oder einer bestimmten spirituellen) Seite "ok", dann wüsste ich beim besten Willen nicht, ob der Mensch, der heute leidet noch leiden würde. Das bedeutet, dass das "Leiden" fremdbestimmt, der Mensch also abhängig und unfrei ist. Und das wäre das Leiden schlechthin. Aber nichtsdestotrotz sind wir alle erwachsene Menschen und selbst verantwortlich dafür, was wir glauben und wie wir leben (im Sinne einer Eigen- und Fremdbestimmung). ... wobei die Tatsache des im Bericht angedeuteten emotionalen Missbrauchs durch unterlassene Hilfeleistung von Organisationen wie Wüstenstrom, kann dadurch an sich nicht geschmälert werden.

Anonym hat gesagt…

Liebe Petra!
Danke für Ihren letzten Beitrag! Auch wenn wir wohl nie den Selben Standpunkt in dieser Sache haben werden (und meine Absicht ist sicherlich nicht Sie zu "bekehren"), so habe ich doch das Gefühl, dass in Ihrem letzten Beitrag Akzeptanz oder wenigstens Tolleranz mitklang. Ich denke, damit bin ich an einem Punkt an dem ich unsere Meinungen einfach nebeneinander stehen lassen kann. Es kommt mir garnicht darauf an, dass alle Welt Homosexuelle mag, nur darauf, dass man uns sein lässt. Wie gesagt, dieses Gefühl habe ich nun bei Ihnen.
Liebe Grüße
Hannah