Dienstag, 2. Februar 2010

Engländer schleuste sich mehrere Monate in Therapiesitzungen zum Umpolen ein

Der britische Independet veröffentlicht den Bericht eines Journalisten, der Undercover bei zwei Therapeuten Umpolungstherapiestunden nimmt: Jetzt zeigt er der Öffentlichkeit, wie evangelikale Organisationen (wie in diesem Fall Living Waters) konkret arbeiten.

The ex-gay files: The bizarre world of gay-to-straight conversion

„Ex-Gay“: Die bizarre Welt der Homo-Hetero-Konvertierung

Ist Homosexualität eine Form der psychischen Erkrankung? Eine kleine, aber evangelikale Gruppe Psychotherapeuten glaubt das - und sie fühlen sich berufen, die Kranken zu "heilen". Patrick Strudwick lässt sich auf die bizarre Welt der Homo-Hetero-Konvertierung ein.

Heute versuchen Therapeuten in Großbritannien, homosexuelle Männer und Frauen zur Heterosexualität zu bekehren. Ich weiß das, denn mehrere Monate lang habe ich mich in dieses Therapeutennetzwerk eingeschleust – als glücklicher „geouteter“ schwuler Mann - und begab mich in Behandlung.

Nach einem Bericht von Professor Michael King vom University College London versucht jeder sechste britische Psychiater oder Psychotherapeut, die sexuelle Orientierung eines Patienten zu verringern oder zu ändern. Und mit Hilfe der amerikanischen Befürworter der Umpolungstherapie werden hier Heilpraktiker gemeinsam mit einer Gruppe internationaler Umpolungsorganisationen zusammengebracht und vereinheitlicht. Sie haben vor, Glaubwürdigkeit, Rückhalt von Universitäten und staatliche Förderung zu erhalten. In einigen Fällen bezahlt sogar der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) für die Behandlung.

Dies gilt trotz der Tatsache, dass Homosexualität aus dem Krankheitskatalog – dem Psychiatrischen Bedingungsglossar – vor 36 Jahren gestrichen wurde. Und trotz vieler Belege, dass solche Praktiken schaden und ineffektiv sind.

Meine Nachforschung begann im vergangenen Frühjahr, kurz nach der Veröffentlichung von Kings Report, als eine evangelikale Gruppe eine Konferenz für Therapeuten in einer zentralen Kirche Londons abhielt, um ihnen beizubringen, wie man ihre Patienten „umorientiert“. Ich wollte wissen, wer diese Therapeuten sind, was während der Behandlung passiert, und welche Auswirkungen es auf den Betroffenen haben würde. Ich gab mich als potenziellen Klienten aus und wollte geheilt werden.

***

Zwei stämmige Wachleute weisen mich hinein. Im Inneren gibt es zwei große Hörsäle mit über 100 Delegierten. Die meisten sind Männer, sie wirken gedämpft, warten auf den Start der Show. Hinten im Saal liegen Bücher aus, wie Menschen heterosexuell gemacht werden.
Hauptredner ist Dr. Joseph Nicolosi, ein US-amerikanischer Psychologe und Autor einiger der Hauptziele der Ex-Gay-Bewegung. Er ist der Gründer der National Association for Research and Therapy of Homosexuality (NARTH), einer der größten internationalen Umpolungs¬organisationen. Er hat einen gestutzten Bart und trägt einen klaren Anzug.

"Homosexualität wird immer von Einsamkeit hervorgerufen", sagt er dem begeisterten Publikum mit großen Gesten und einer dramatischen Stimme: "Sie ist eine pathologische Krankheit, ein Kampf, an die männliche Identität anzuknüpfen."
Seine These erinnert leicht an Freud: ein distanzierter Vater und eine dominante Mutter erzeugen in einem Kind tiefe Wunden, die zur Homosexualität führen. Er spricht über die Arbeit an seiner eigenen kalifornischen Umpolungsklinik. „Wir raten den Vätern: ‚Wenn du deine Söhne nicht umarmst, wird das ein anderer Mann tun‘. Den Müttern legen wir nahe, sich zurückzuhalten.“

Während der Mittagspause versammeln sich homosexuelle Demonstranten außerhalb der Halle, von einer Polizeieinheit zurückgehalten. Ich kann den Lärm der Sprechchöre und die Pfeifkonzerte hören. Die Organisatoren weisen uns an, drinnen zu bleiben.
Ich gehe auf einen Psychiater zu, David, der vorher eine Frage aus dem Plenum stellte, um zu sehen, ob er mich wegen meiner Homosexualität behandeln würde. David erzählt mir, dass er eine Klinik betreibt, die Männern hilft "ihr heterosexuelles Potenzial zu erreichen". Er behandelt keine Lesben. "Ich habe meine eigene Sexualität gelöst", sagt er, und erklärt mir, dass er jetzt verheiratet ist und Kinder hat, und gibt mir seine Visitenkarte: Dort steht: "Ich nahm den unpopulären Weg." David weist auf eine Psychotherapeutin, die auch die Konversionstherapie anbietet, und so gehe ich hinüber und stelle mich vor – ich nenne mich Matthias.
Sie sieht gemütlich aus und ihr Haar ist ergraut. Sie heißt Lynne. Auch sie gibt mir ihre Visitenkarte. Sie ist ein staatlich anerkanntes Mitglied der Britischen Vereinigung der Berater und Psychotherapeuten (BACP), die größte der psychotherapeutischen Einrichtungen.

Nach der Konferenz suche ich online nach David. Während ich mir alles über seine Praxis und Qualifikationen durchlese, finde ich einen Verweis auf Iris Robinson, die skandalträchtige Ulster Abgeordnete, die bekanntlich im Jahr 2008 Homosexualität mit Kindesmissbrauch verglich. In einem Interview mit der BBC erwähnt sie, sie kenne einen "reizenden Psychiater", der "versucht, Homosexuellen zu helfen, von den Dingen wegzukommen, in die sie verstrickt sind." Für den nächsten Schritt in meiner "Behandlung" wende ich mich an David und Lynne, um für mich Einzeltherapiesitzungen anzumelden.

***

Ich habe ein Diktiergerät auf meinen Bauch geklebt und erreiche Lynns großes Haus nördlich von London. Sie hatte mir vorher gesagt, dass sie mir eine Gebühr von £ 40 pro Sitzung berechnen würde und sie immer am Anfang und am Ende der Sitzungen beten würde. Sie führt mich in ein geräumiges Wohnzimmer.
"Ich liebe meine Arbeit und insbesondere dieses ganze Gebiet über Menschen mit SSA [gleichgeschlechtlicher Neigung]", sagt sie, während wir uns setzen. "Es ist ein so wichtiges Arbeitsfeld." Sie hat ein wohltuendes Gesicht und das Auftreten von jemandem, der, wenn sie dich nicht gerade zur Heterosexualität bekehren wollte, wahrscheinlich ein ganz schön guten Biskuitkuchen hervorzaubern würde. Wie auch die anderen auf der Konferenz sagt sie nicht „schwul“, sie verwendet nur den Begriff "SSA".

Ich frage, wie sie die Homosexualität sieht - als eine psychische Krankheit, eine Sucht oder ein anti-religiöses Phänomen?
"Es ist das alles," antwortet sie.
Und dann beten wir. "Oh Vater, wir geben dir die Erlaubnis, im Leben von Matthias einzugreifen, um vollständiges Licht und Heilung in jeden Teil seines Wesens zu bringen." Nachdem sie Gott gebeten hat, mich zu heilen, öffnet sie die Augen. "Ich weiß, wo die Grenzen sind", sagt sie.

Sie beginnt mit der Frage über meine psychologische Vergangenheit. Ich sage ihr, dass ich als Teenager deprimiert war, weil ich fürchtete, für den Rest meines Lebens Vorurteilen ausgesetzt zu sein.
Kann ich lernen, mich nicht zu Männern hingezogen zu fühlen?
"Ja", antwortet sie, "weil dieses Hingezogen sein zu Männern ist mit einem tiefen Bedürfnis verbunden, auf das reagiert und eingegangen werden muss und das geheilt werden muss."
Aber wie kann ich es stattdessen schaffen, mich zu Frauen hingezogen zu fühlen? Lynne erklärt, dass es um "Umprogrammierung" geht und um das Zurückgehen in meine frühen Entwicklungsstadien. "Einige Teile von dir haben sich entwickelt, aber ein kleiner Teil von dir ist stecken geblieben", sagt sie.
Oh, so wie behindert zu sein?
"Es ist so ein bisschen", erklärt sie.

Lynne fragt, warum ich für die Behandlung gekommen bin. Ich sage ihr, dass ich die sinnlosen sexuellen Kontakte satt habe und dass ich meinen Glauben neu entdeckt habe. Sie stellt ein Whiteboard auf und fängt an, meine Worte aufzuschreiben. "Ich kann mit der Sinnlosigkeit nicht mehr umgehen ", sagt sie während sie schreibt. "Hmm. Gute Empfindung."
"Fühlen Sie sich mit der SSA ziemlich lustvoll?" fragt sie. Ich antworte, dass ich mich so fühle - aber nicht nur Lust. In meiner letzten Beziehung, sage ich, spürte ich eine tiefe Liebe zu meinem Freund. "Das muss gebrochen werden," sagt sie. "Da gibt es eine Dunkelheit, die ist sehr real und hält Sie gefangen wie einen Hund, aber natürlich ist unser Gott stärker als das."

Lynns Ansatz besteht aus zwei Phasen. Sie erteilt praktische Ratschläge zum Abfangen meiner homoerotischen Gefühle, und, ganz im Einklang mit Nicolosis Theorien, taucht dann hinab in meine Vergangenheit, um nach meinen „Wunden“ zu suchen. Diese Wunden, sagt sie, werden verdeutlichen, warum ich zur Homosexualität gewechselt bin.
Sie beginnt ihre Jagd auf Wunden mit Fragen über meine Familie. Ich erzähle ihr, dass ich eine enge Beziehung zu meinen Eltern habe und dass sie mir immer jede Menge Liebe gaben, daher verstand ich nicht, warum Nicolosi sagt, dass Homosexualität durch unzureichende Erziehung verursacht würde. "Nunja, irgendetwas war in Ihrer Familiendynamik, was zu Ihrer Depression geführt hat", sagt sie.

Lynne erklärt, dass sich Menschen erst dann als schwul identifizieren, wenn sie bereits sehr deprimiert sind. "Es existiert eine Verwirrung, eine Angst, es gibt eine Menge Schmerzen", sagt sie. "Oft denkt man 'Oh, ich bin über meine Sexualität so verwirrt, also muss ich schwul sein"." Sie sagt, dass im Herzen der Homosexualität eine "tiefe Isolation" ist, wo, wie sie sagt, "Gott hineinkommen muss".
"Hatten Sie eine schwere Geburt?" fragt sie. Nein, sage ich. Warum?
"Es ist nur etwas, was mir aufgefallen ist. Oft ist es [mit der Homosexualität] sehr traumatisch, war das Baby in die Intensivstation gebracht und wegen der Trennung von der Mutter kann da dieser Mangel an Bindung sein."
Sie geht weiter. "Irgendwelche Freimaurer in der Familie?" Nein, sage ich, und hake wieder nach. "Denn das fördert es oft auch. Es hat eine geistliche Wirkung auf Männer, und stellt sich oft als SSA raus."

Als nächstes sucht sie nach Verletzungen im Selbstwertgefühl. "Ich glaube, Sie haben wenig hilfreiche Gedanken über sich selbst, wer Sie sind", sagt sie. "Was denken Sie über sich selbst? In Ihrem tiefsten Inneren, in Ihrem Bauch."

"Ich glaube, ich bin ein guter Mensch", antworte ich. Sie will mehr. "Ich glaube, ich bin eine sehr entschlossene Person." Immer noch nicht genug. "Ich glaube, ich habe viel zu geben."
"Aber mögen Sie sich selbst?" fragt sie und wird langsam ungeduldig.
"Ich glaube, ich bin ein guter Mensch", wiederhole ich.
"Ja, das ist schon anders als 'mögen Sie sich selbst'? Tief darunter gibt es noch andere Sachen, an die wir rankommen müssen. Ich glaube, Sie müssen eine ganze Menge Mobbing ausgehalten haben." Nein, sage ich. "Es gab keinen sexuellen Missbrauch?", fragt sie, während sie sich abstützt und wieder blinzelt. Nein, sage ich wieder. "Ich denke, dort wird es sein", antwortet sie, und lässt dabei ihre Stimme zu einem betroffenen Ton sinken. "Es muss an die Oberfläche kommen."

Und so betet sie wieder für mich. "Vater, wir geben dir die Erlaubnis, einige der Dinge an die Oberfläche zu holen, die sich im Laufe der Jahre zugetragen haben. Vater, gieße deine Liebe aus in diesen Ort der Isolation in diesem kleinen Jungen, wie alt auch immer, wir geben dir die Erlaubnis dorthin zu gehen mit deiner heilende Kraft und deinem Licht, geh in diese Bereiche, öffne alle Türen, und erfülle jede mit deinem Licht."
Sie blickt auf. Ich frage nochmal wegen diesem Missbrauch nach. "Ich glaube, es gibt da etwas", sagt sie. "Sie haben Dinge zugelassen die Ihnen angetan wurden." In der nächsten Sitzung frage ich, ob sie glaubt, der Missbrauch hätte innerhalb meiner Familie stattgefunden, weil ich mich nicht daran erinnern kann. "Ja, sehr wahrscheinlich", antwortet sie.

Die folgende Sitzung findet am Telefon statt, da sich Lynne im Ausland befindet. Dieses Mal konzentriert sie sich auf das praktische. Sie empfiehlt, dass ich mich von meinen schwulen Freunden fern halte, und mit einem Sport wie Rugby anfangen solle.
Ich frage, wie ich mit Selbstbefriedigung umgehen soll – ist es am besten, sich ganz zu enthalten? "Ja, das ist es definitiv", sagt sie. "Es wird ein Kampf, aber je mehr man nein sagen kann, desto stärker wird man. Der Feind wird dich bombardieren."
Sie erzählt mir, was ich innerlich sagen soll, wenn ich an einen attraktiven Mann denke: "Vater, ich brauche Hilfe, ich weiß, dass es falsch ist, du hast alle Macht über meine Gedanken und ich gebe dir dieses Bild, Vater, und ich bitte dich, mir zu helfen, das rechte Bild in meinen Gedanken zu formen. "

Lynne empfiehlt mir, ein Buch zu lesen mit dem Namen „Umkehr der Liebe“ von Mario Bergner, einem "Ex-Gay". Darin behauptet er, dass er es durch Gebet auch geschafft hat, sich von HIV zu heilen. Also kann eine HIV-positive Person mit Gebet wirklich negativ werden? "Na Gott heilt, nicht wahr?" antwortet sie. "Sind Sie HIV-positiv ?"
Es stellt sich während der Sitzungen raus, dass die meisten ihrer Klienten durch eine nahegelegene Arztpraxis des Nationalen Gesundheitsdienstes zu ihr kommen. Sie sagt, sie leiten die Menschen weiter zu ihr, um ihre Homosexualität behandeln zu lassen. Ich erzähle ihr, dass ich jemand in diesem Bereich kenne, der weiterempfohlen werden will, sollte er das nur sagen aufgrund Angst und Depression? "Ich denke, es wäre besser, zunächst Angst und Depression zu sagen, und dann können wir von da an weitermachen", antwortet sie. "Er kann in der Regel vier Sitzungen erhalten, mit der Praxis, für die vom NHS bezahlt wird."
Am Ende der Sitzung frage ich, wie meine Chancen auf Erfolg mit dieser Behandlung stehen. "Letzten Endes gehts darum, was Sie möchten, sagt sie. "Daraus wird Gutes kommen. Der Herr wird uns da durchführen."

***

Ich werde von meiner Homosexualität via Skype geheilt. Wir verwenden stets Webcams um einander zu sehen. David hält meinen Blick ständig. Es gibt mehr psychotherapeutische Modelle und Theorien und ein bisschen weniger Gott, aber das Programm ist das gleiche: Sie wurden verletzt.
Wie auch Lynne verfolgt David eine psychologische Vergangenheit. Er fragt mich, warum ich behandelt werden möchte und sagt, dass mit ein bisschen mehr Nachforschen er mir sagen kann, warum ich schwul wurde.
Seine Prognose ist optimistisch. "Ein Drittel der Menschen verändern sich völlig", sagt er, "ein Drittel der Menschen haben eine nennenswerte Veränderung, und ein Drittel erlebt überhaupt keine Veränderung. Diese Leute wurden wohl noch viel tiefer verwundet." Er sagt, Sie müssen die Verletzung herausfinden, damit Sie weiter vorwärts kommen.
Also setzt er an, meine zu finden. Aber das ist nicht sein einziges Hilfsmittel – seine zentrale These lautet, dass man den homosexuellen Sex mit den, wie er es nennt, „Vier Vertrautheiten“ ersetzen muss: "Vertrautheit mit Gott, Vertrautheit mit sich selbst, Vertrautheit mit dem männlichen und Vertrautheit mit dem weiblichen." Durch die Stärkung der Beziehungen in all diesen Bereichen, insbesondere durch mehr platonischen Kontakt mit Männern, sagt er, wird das Bedürfnis nach sexuellen Kontakten negiert.

David beginnt mit einem Aktionsplan. Er empfiehlt mir, mich christlichen Männergruppen anzuschließen. "Oft gibt es [für Homosexuelle] eine Menge Verletzungen in männlicher Gemeinschaft", erklärt er. Er gibt mir auch auf "Übungen" zu machen. Zu ihnen gehört auch, nackt vor dem Spiegel zu stehen, sich zu berühren und zu „bestätigen“. Er macht einen weiteren solchen Vorschlag. "Ein Mann kann sich für eine Massage entscheiden, um die Möglichkeit zu haben, in gesundem Kontakt [mit einem anderen Mann] zu sein", sagt er.
In der nächsten Sitzung sage ich ihm, dass ich seinen Rat befolgt habe. "Es hat mich erregt", sage ich über die Massage.
"Eine Erektion ist nur eine Erektion", erwidert er. "Das alles zeigt, dass Ihr Körper so programmiert ist, dass [Sex] die einzige Möglichkeit für Männer ist, körperlich intim zu sein."
Aber wie unterbreche ich die lustvollen Gedanken?
"Die Neigung ist nicht das Problem", sagt er. "Es ist die Geschichte, die Sie sich erzählen, was die Attraktivität für Sie bedeutet. Fragen Sie sich, warum Sie einen Mann attraktiv finden. Weil er breite Schultern hat? Nun, was bedeuten die breiten Schultern für Sie?"

Dann fragt er, ob ich die Arbeit einer Person namens Elizabeth Moberly kenne. "Sie spricht über die kannibalistische Art des homosexuellen Sex", sagt er. Kannibalistisch? Frage ich. "Wenn ich sehe, Sie sind ein junger Mann", erklärt er, "und die Geschichte, die ich mir erzähle, ist, dass jüngere Männer fitter oder stärker sind, und ich fühle mich besonders schwach, dann haben Sie plötzlich etwas, was ich besitzen will."
"Was für Männer finden Sie attraktiv?" fragt er.
"Keine bestimmten", sage ich. Er sieht unzufrieden aus. "Manchmal, als ich jünger war, begeisterte ich mich für ältere Männer", füge ich hinzu. Er fragt nach meiner Kindheit. Ich erzähle ihm, sie war glücklich. "Und große Traumata?" fragt er. Nein, sage ich. "Keine sexuelle oder körperliche Gewalt?" Auch hier findet er nichts.
"Erzählen Sie mir von Ihrem Vater." Ich sage, dass er großartig war, unterstützend und dass wir sehr verschieden sind. Er ist wissenschaftlicher und introvertiert, während ich mehr meiner Mutter ähnel: kreativ, extrovertiert. Dies ist ein Durchbruch.

"Also in Ihrem Geist verbirgt sich etwas, das sagt: 'Ich bin wie Mama, aber Papa ist dort drüben, er ist anders als ich, ' also gab es keinen geschlechtsbejahenden Prozess. Wenn die Pubertät einsetzt, werden die natürlichen Bedürfnisse der Männlichkeit sexualisiert. Plötzlich wollen ältere Männer Sex mit dir haben, und es ist ziemlich berauschend. Das war es, was bei Ihnen die Entwicklung der Homosexualität gefördert hat."
"Aber die Männer, mit denen Sie Sex hatten oder in die sie sich verliebten sind genauso verwundet wie Sie," fügt er hinzu. "Sie können Sie nicht in derselben Weise ausfüllen wie eine Frau es tun könnte. Was Sie ausfüllen könnte ist der Sex mit einem heterosexuellen Mann, jedoch würde ein heterosexueller Mann keinen Sex mit Ihnen haben wollen, so bleibt dieser Wunsch, das zu bekommen, was Sie niemals erhalten können. "

Ist Homosexualität also eine pathologische Krankheit? "In der Tat vertritt sie eine Pathologie," antwortet er. "Oft ist die Dynamik dahinter nicht gesund. Gottes Wille für uns ist, eine gegengeschlechtliche Beziehung zu haben."
Ich erinnere mich plötzlich an seine Frau und Kinder. "Sie sind dann eine absolute Erfolgsgeschichte", sage ich.
"Nun, ich meine, es funktioniert", antwortet er. "Ich kam nie soweit, mich als schwul zu identifizieren, das war etwas, was ich als sehr ekelhaft und abstoßend empfunden habe, und ich wollte immer heiraten und Kinder haben."
Und seine gleichgeschlechtlichen Gefühle heute? "Manchmal, wenn ich nicht nach mir selbst schaue, dann kann es einen sexuellen Angriff geben", antwortet er, "aber das ist kein großes Thema für mich jetzt, es ist mehr das ungesunde Raster von Pornos und Selbstbefriedigung, wenn ich mich ein bisschen matt fühle."

In der folgenden Sitzung erzähle ich David, wie ich sexuelle Gedanken über ihn hatte. "dankeschön für die Ehrlichkeit", erwidert er mit einem kleinen Lachen. "Ich versuche, für Sie bedingungslose Liebe zu veranschaulichen, also ist es ganz natürlich, dass Sie in Bezug dazu sexuelle Gedanken entwickeln würden. Obwohl wir das hier per Internet machen, gibt es immer noch ein gewisses Potenzial für eine sexuelle Verbindung. Es gibt also wahrscheinlich einen Teil in Ihren Gedanken, der das abwägt."
"Haben Sie mit sexuellen Gefühlen gegenüber den Männern zu tun, mit denen Sie zusammen arbeiten?" frage ich.
"Manchmal bekomme ich einen Widerhall", antwortet er. "Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich würde es nicht."
Ich sage ihm, dass ich die Nackt-vor-dem-Spiegel-stehen-Technik versucht hatte, die er empfohlen hat, aber diese mich, wie die Massage auch, erregt hatte. "Ich wäre überrascht, wenn Sie keine sexuellen Gefühle erlebt hätten", sagt er. Und damit fängt er an, mich zu "bestätigen".

"Ich denke, Sie sind ein tapferer Mann," sagt er. "Ich glaube, Sie sind wirklich stark in Bezug auf die Bereitschaft, Ihr Leben anzusehen und wer Sie wirklich sind, und Sie sehen auch aus, als würden Sie nach sich schauen in Bezug auf Ihren Körper. Wie fühlen Sie sich, in dieser Form von einem anderen Mann bestätigt zu werden? "
Ich sage, dass wenn Männer mir Komplimente über mein Aussehen geben, sie damit sexuelle Gefühle auslösen. Er bohrt wieder nach und fragt mich, wie ich mich fühle, wenn er über meinen Körper spricht. Erregt, wiederhole ich. Aber anstatt von diesem scheinbar sexuellen Auslöser abzurücken fragt er, ob wir eine "Übung" drumrum tun können. Ich bin damit einverstanden.

"Schließen Sie die Augen und konzentrieren sich auf die Erregung, die Sie da unten in den Genitalien spüren", sagt er. "Ich möchte, dass Sie zuhören wie ein Mann, während ich Ihren Körper anschaue, die kräftigen Schultern und eine starke Brust sehe, ich sehe einen Mann, der einen attraktiven Körper hat und ich möchte, dass Sie nur die Erregung wahrnehmen, die Sie spüren, während Sie zuhören wie ich darüber spreche. Stellen Sie sich eine Energie vor und geben Sie dieser Energie eine Farbe, und weisen Sie die Helligkeit dieser Farbe relativ zu der Intensität des sexuellen Gefühls zu, Sie könnten also ein bisschen einen Ständer bekommen, Sie könnten anfangen, eine Erektion zu spüren und diese sexuelle Energie, aber ich möchte, dass Sie sich das einfach als ein farbiges Licht vorstellen. Welche Farbe wäre das?"
Rot, sage ich.
"Ich möchte, dass Sie sich diese rote Farbe vorstellen, diese Energie, und den Bestätigungen zuhören, dass ich Sie als einen starken und selbstbewussten Mann sehe, und ich möchte, dass Sie dieses rote Licht von Ihren Genitalien nach oben in Ihre Brust bewegen, um mit mir zusammen das Gefühl der Bejahung als Mann zu erleben, und während Sie diese Bestätigung verinnerlichen merken Sie nun, was mit der Erregung geschieht?"
Ich sage ihm, sie ist immer noch da. Wir sind am Ende der Sitzung. Ich frage, wer sein Vorgesetzter ist. Er erzählt mir, dass sein Vorgesetzter in der "Richard Cohen Organisation" involviert ist.
Später mache ich eine Internet-Recherche. Richard Cohen wurde endgültig aus der American Counseling Association ausgeschlossen. Er gründete die International Healing Foundation, eine Umpolungsorganisation.

David erwähnt dann, dass er nächste Woche ein Treffen in London besuchen wird um zu erörtern, wie eine Bildungsstätte für Therapeuten geschaffen werden kann, die in diesem Bereich arbeiten. Ich frage, ob ich auch kommen könne.
Eine Woche später sitze ich um einen Tisch mit den Leitern aller großen britischen Umwandlungsorganisationen - einige von ihnen sind auch Therapeuten. Wir sind in den hellen, engen Londoner Büros von Living Waters, einer evangelikalen Umwandlungsvereinigung. Unser besonderer Gast ist Dr. Jeffrey Satinover, 62, ein US-amerikanischer Psychiater.
"Wir müssen über praktische Ideen zur Schaffung eines Fortbildungsprogramms nachdenken [für die Umwandlungs-Therapeuten]", sagt Satinover. "Wir können viel von dem lernen, was die Mormonen gemacht haben. Sie schufen ein Ausbildungsprogramm und verknüpften es mit einer Universität."
Sie beschließen, im Hinblick auf solch eine Verknüpfung, der Glaubwürdigkeit und der nötigen Finanzierung, dass ihre Bildungsstätte auch Forschungsarbeit in diesem Bereich leisten müsste.
"Wenn ich Auszubildende kriegen könnte, die eine Promotion in diesem Bereich machen würden, könnte das helfen, weil das die Finanzierung miteinbringen würde", sagt David. "Es ist schwierig, da auf Geld zurückzugreifen, aber wenn wir klug sind, gibt es Möglichkeiten." Er spricht über seine Umpolungsmethoden, und wie sie finanziert werden. "Wir nutzen die private Krankenversicherung der Menschen", sagt er.

***

Ich rufe Lynne an. Ich erkläre, dass ich Journalist bin. "Wer ist da bitte?", sagt sie, verwirrt, oder leugnend. Ich wiederhole mich und lese ihr dann vor, was der Psychiater Professor Michael King vom UCL zu ihren Methoden zu sagen hatte, als ich ihn mit Niederschriften der Sitzungen kontaktiert habe:
"Das ist ein grob missbräuchliches Verfahren", sagte er mir. "Sie drängt Gebet auf und setzt unerwiesene Verfahren ein. Der ganze Ansatz für das Thema des sexuellen Missbrauchs ist sehr unprofessionell. Die Führung zu übernehmen [und] Ratschläge zu erteilen in einer therapeutischen Situation ist das absolute Gegenteil dessen, um was es bei einer Untersuchung von sexuellem Missbrauch gehen sollte. Das ist die Basis vieler dieser falschen Erinnerungssyndrome. Sie sollte nicht dazu berechtigt sein, Überweisungen von einem Allgemeinarzt zu bekommen. Ihre Mitgliedschaft in der BACP sollte sofort aufgehoben werden. "

Lynne schweigt. Schließlich ruft sie ihre Verteidigung wach. "Wenn ich jemanden aufnehme, arbeite ich mit dem Wertesystem dieser Person ", sagt sie. "Sie erzählten mir, Sie seien Christ, das bedeutet dann also, dass ich in dem Wertesystem dieser Person arbeite. Alles was ich tat war völlig in ethischen Rahmen der BACP."
Ich zitiere einen ihrer Leitlinien: "Die Praktizierenden sollten nicht zulassen, dass ihre beruflichen Beziehungen mit den Klienten durch irgendwelche persönlichen Ansichten befangen sein könnten, die sie über die sexuelle Orientierung haben."

Sie legt auf. Ich rufe die Chirurgie-Praxis an und komme zu einem der Partner durch. Ist es wahr, dass seine Praxis Patienten zu Lynne überweist, um deren Homosexualität zu behandeln?
"Das ist nicht wahr", sagt er, bevor er zugibt, dass er darüber nie eine Diskussion mit den anderen Partnern in der Praxis hatte. "Wenn der Patient sage, dass er das so wünsche, können wir sie nicht davon abhalten, sich Hilfe zu suchen", meint er.
Später reiche ich eine Beschwerde beim BACP über Lynne ein.

David bleibt völlig ruhig, als ich ihm zu erkennen gebe, dass ich Journalist bin. Wie schon bei Lynne lese ich vor, was King über dessen Methoden meinte:
"Nichts von alledem würde in einer psychiatrischen Behandlung anerkannt werden. Kein Psychiater könnte sich je für sein Fantasieleben rechtfertigen, das er einem Patienten erläutert. Es ist nicht ratsam, über die eigene Psychotherapie oder die eigenen Probleme zu reden. Er ermutigt während einer Sitzung zu einer Erregung – das ist mit hypnotischer Technik vergleichbar. Ich frage mich, was er mit den Patienten macht – dass er Gefahr läuft, die Grenze zu überschreiten. Meine persönliche Meinung ist, dass er gegen jeden Verhaltenskodex der RCP verstößt. Die Hochschule sollte seine Mitgliedschaft widerrufen."

"Alles, was ich dazu sagen kann ist, dass ich mein Bestes versuche, den Menschen mit meinem Dienst so zu helfen, den Menschen eine Alternative in Bezug auf Veränderung anzubieten", antwortet David. "Dies [seine Behandlung] ist nur für Leute, die danach fragen."
Ich reiche eine Beschwerde über David beim GMC ein.

Der Zweck dieser Untersuchung war es, herauszufinden, wie die Umpolungstherapeuten arbeiten. Was ich nicht erwartet hatte war, dass ich lernen würde, wie sich deren Patienten fühlen: verwirrt und geschädigt.
Ich fing an, ständig zu analysieren, warum ich bestimmte Männer attraktiv fand. Repräsentiert dieser Mann etwas, das in mir selbst fehlt? Will ich ihn, weil er einen starken Eindruck macht, was bedeuten müsste, dass ich mich schwach fühle? Ist etwas in meiner Kindheit passiert? Die Therapeuten pflanzten Zweifel und Sorgen, wo es keine gab.
Meine Erfahrungen, wie ich mitbekomme, sind typisch. Ich unterhalte mich mit Daniel Gonzales, einem ehemaligen Klienten von Nicolosi. "Konversions-Therapie ist eine sehr komplizierte Form der Repression," sagt er. "Es ist die Art, sich davon zu überzeugen, dass die gleichgeschlechtliche Neigung eine alternative Bedeutung hat. Es verfolgte mich viele Jahre lang."
Ich unterhalte mich auch mit Peterson Toscano, der 17 Jahre lang in Großbritannien und den USA alle verschiedenen verfügbaren Umorientierungsmaßnahmen ausprobierte. Er sagt dazu nur: "Es ist psychische Folter."

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StevenMilverton - Unumpolbar

Kommentare:

ExGay-Observer hat gesagt…

die britischen PinkNews gehen noch näher auf die Story ein: hier lesen.

Fg68at hat gesagt…

(wie in diesem Fall Living Waters) ?? Das sind eher zwei Nicolisi- bzw. Cohen-"Anhänger". Es sind professionelle Psychotherapeuten. Das eine Treffen von verschiedenen aus der Szene findet dann in einem Living Waters Büro statt.

Was die Einschätzung brisanter macht: Wüstenstrom verspricht "wirkliche Veränderung" und kritisiert "sich nur im Zaum halten." Und sie sagen, dass sie nicht mehr das Living Waters Programm verwenden. Die beiden Dinge dürften zusammenhängen.