Sonntag, 24. August 2008

"Das lässt sich doch heilen"

Über die momentane Situation der Umpolungsbewegung in Deutschland berichtet in der neuesten Ausgabe der LSVD-Zeitschrift respekt! Dr. Reinhold Weicker, Pressesprecher der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V., und zieht eine Zwischenbilanz über Auftreten und Rechtfertigungspolitik der Homoheiler und Vertreter dieser Organisationen in Deutschland. Hauptsächlich werden dabei gerne drei wissenschaftliche "Studien" zur Beweisbarkeit der pseudowissenschaftlichen Arbeit von Umpolungsorganisationen wie Wüstenstrom herangezogen: Die Robert Spitzer-Studie, die Shidlo-Schroeder-Studie und die Studie von Stanton L. Jones und Mark A. Yarhouse. Sämtliche Studien entpuppen sich bei nährerer Betrachtung als höchst unwissenschaftlich, deren Interpretation widerspricht teilweise sogar der Absicht der Urheber.

Den Bericht hier runterladen und lesen:
PDF-Dokument (0,1 MB)

Weitere Links dazu:
www.huk.org - Ist Veränderung der sexuellen Orientierung möglich?
www.zwischenraum.net - "Heilung" von Homosexualität?

Kommentare:

kriki hat gesagt…

Genau dieses Thema hat mich mehrere Jahre meines Lebens begleitet und ja, auch nicht ruhig gelassen:

Ich habe mehr oder minder brauchbare Literatur aus den USA (von meiner ehemaligen Gastmutter) bekommen und auch eher lockere Schriften aus Deutschland. Ich habe hier echt das Feld gepflügt um mit mir und meinem Glauben einen Weg zu finden.

Meine Theorie, die ich übrigens wirklich nicht ansatzweise vollständig finde und die nur einige wenige Theman anreißt, widerspricht aber einer genetischen Disposition, die uns (einen) einfach von Vornherein schwul macht.

Ich kenne Ex-Gays! Sie sagen, sie seien glücklich (und nur ich oder wir würden es Ihnen ausreden wollen). Das betrifft sogar Leute, die in der Schulzeit eher homosexuelle Tendenzen hatten, diese aber absolut nicht mehr haben (sondern Frau und Kind und Träume für die Zukunft). Ebenso kenne ich einen Toten, der sich durch Gott verändern wollen lassen wollte und es anscheinend in wenigen Wochen nicht geklappt hat (und das tut mir sooo weh, dass er sich deswegen das Leben nehmen musste!).
Hingegen glaube ich, dass sich die sexuelle Orientierung ändern lässt (Ob sinnvoll oder nicht können wir später diskutieren)! Steht man auf Lack und Leder kann man das auch ändern (wenn man will). Isst man gerne Schokolade, so lässt sich das auch ändern. (Hypnose, Stress- und Coping-Strategien). Auch das Rauchen lässt sich so reduzieren oder sogar abschaffen (klar in Kombo mit anderen Reizen - Bier und Zigarette,...). Was will man selbst? Wie willensstark ist man, welche Hilfsmittel nutze ich...

Es gibt anscheinend einige Faktoren, die Homosexualität "begünstigen" Vater(Eltern-)rolle (bei beiden Lesben und Schwulen), Akzeptanz in der Jugend (Sport), Emotionale Bindung an Mutter oder Vater und vor allem Freunde in der Jugend. Vertrauen. Und laut einer Kanadischen Studie sogar die Folge des Kindes (ein xTes Kind ist eher schwul als ein x-3Tes). Schwestern (bei Schwulen,..). Viele Schwule hatten sogar hetero Liebe (Liebschaften) - und ich glaube nicht nur in der Jugend, weil die Gesellschaft das will (jedenfalls bei mir nicht!).

Also gibt es Faktoren, die in der Sozialisierung liegen, die es anscheinend begünstigen, Schwul zu werden.

Bei mir war es zu einem großen Teil die Bruder- und Vater-Rolle und ich finde es voll OK. Eine genetisch bedingte Herkunft finde ich in meinem Fall übrigens sehr fragwürdig.

Also fasse ich zusammen, dass es durchaus möglich sein könnte, sich umzupolen! ABER: ist es sinnvoll? Gott will, dass wir glücklich sind und hinterfragt unser Herz.
Bringt es wirklich das Ergebnis? Gott würde nicht einem Menschen nach der Geburt eine Wand hinstellen, die er erklimmen muss, während sein Bruder das freie Feld zum Rennen bekommt!

Hinterfrage eher: Lebst du mit dem Gedanken an Gott oder willst du ohne ihn kämpfen? Man kann auch gegen ihn Käpfen oder viel mehr gegen das, was dir andere sagen, wie du sein musst,...

Gott will dich und dein Herz,... das kannst du ihm geben unabhängig, ob du deine Katze, dein Auto, dein Schokolade oder deinen Freund (oder deine Frau) auch wirklich liebst.

Hier ein Post zu dem Thema, den ich in einem Forum verfasst habe um meine Erfahrungen zu schildern

Hmmm, dann plaudere ich mal aus dem "Nähkästchen". (Wichtige Infos also auch vorab).

Ich war fast 6 Jahre in meinen besten hetero Freund verliebt (der meine Liebe durch wirklich intensive Freundschaft auch belohnte / fütterte und nur meine Wahrnehmung dies immer wieder verzerrte) und nenne mich davor und auch jetzt Christ.
Diese Liebe war so zerfressend, dass sie mich wirklich damals über einen Selbstmord mehrfach und ernsthaft nachdenken lies!

Ich habe nach seelsorgerlicher Hilfe gesucht und einen Therapeuten (von meiner sehr christlichen Tante empfohlen) durch Wüstenstrom kennengelernt, mit dem ich das Thema angegangen bin.

Ich kann nur sagen, dass das wirklich ein fairer und guter Ansatz war. Es (er) hat mir geholfen mich zu finden, meine "Liebe" und die Chancen abzuwägen. Ich habe mich daher abnabeln können und in den Sitzungen viel mehr herausfinden können.
Mein Verhältnis zu meinem Vater waren unter anderem elementare Probleme meiner wirklichen Wertschätzung des Lebens,...
Das konnte ich damals nicht direkt angehen, weil mir selber vieles unklar war, habe es aber vor ca 2 Jahren direkt meinem Vater gesagt (obwohl ich seit meinem 21. Lebensjahr ungef. geoutet war).
Ich habe seit den Seelsorge-Sitzungen ein Selbstwertgefühl bekommen (und mich wirklich erst "erfunden/erkannt") und habe seit meinem aktiven Angehen dieser Punkte, die dort als meine wirklichen Probleme herausstellten, eine wirklich gute familiäre Situation erzeugen können / bekommen.

Viel Background Infos und ich weiß auch, eine viel zu persönliche Darstellung (weil halt meine), aber ich kann hier keine Verblendung oder keine Manipulation feststellen. Ich wurde immer offen gefragt, was ich will und es wurde mir nie etwas befohlen, höchstens wirklich Sinnvolles geraten.

Zurück zu dem Hauptthema: ich habe auch von der Christival-Veranstaltung gehört (und einige meiner Freunde waren auf dem Event - leider nicht auf dem Seminar). Ich kenne auch Leute aus den Freien Gemeinden, die das ganze Thema auf die Flagge schreiben und jedem damit am Abend gerne die Tür einrennen (vermutlich aus "Homophobie"). Ich kenne aber auch eine deutlich größere Zahl von Menschen aus meiner recht konservativen Gemeinde, die das überhaupt nur unwichtig finden, solange es mir (dem Menschen) gut geht und die selber wissen, dass"Lieben" eines der schwierigsten Themen ist.

ExGay-Observer hat gesagt…

Vielen Dank kriki für diesen Beitrag. Ich kann nur zustimmen, "Lieben" ist eben eines der schwierigsten Themen. Sexualität ist so komplex dass man die Entstehung der Orientierung weder auf ein Gen noch auf die Elternbeziehung reduzieren kann. Mit 4-5 Jahren ist die Orientierungsphase bereits abgeschlossen und kann dann nicht mehr verändert werden. Allerdings sind Verhaltensweisen durchaus erlernbar. Für welchen Preis steht dann auf einem anderen Blatt. Die Bundesregierung sowie sämtliche anerkannte Fachverbände lehnen Therapiemaßnahmen wie z.B. die von Wüstenstrom - wenn Sie Umpolung zum direkten oder indirekten Ziel haben (z.B. auf Wunsch des Klienten) - einstimmig ab. Es gibt keine verlässlichen Zahlen von Erfolgsfällen, dafür aber eine immer größer werdende Zahl von ehemaligen, mittlerweile enttäuschten Klienten. Sicher ist das Personal von Wüstenstrom und Co zu ihren Klienten anständig und nett (solang man mit ihrer Überzeugung konform geht), gefährlich ist aber vielmehr die Ideologie, die dahinter steckt, eine sexuelle Umorientierung sei mit genügend Willenskraft, einem starken Gottvertrauen und viel Engagement erreichbar. Diese Fehlannahme hat die letzten Jahre viel Leid verursacht, und auch heute noch aktive Klienten berichten gutgläubig von ihrem "lebenslangen Kampf". Solch einen Zustand gutzuheißen ist für meine Begriffe mehr als fragwürdig. Ausnahmen bestätigen die Regel. Gut aber, dass wir hier die Freiheit haben darüber zu sprechen.