Dienstag, 14. September 2010

Pastor Bruske hat sich geoutet

Vor etwa zwei Jahren handelte sich der Pastor einer Baptistengemeinde in Friedrichshafen Ärger ein, nachdem er sich in einem Leserbrief für mehr Gleichbehandlung homosexueller Partnerschaften ausgeprochen hatte (wir berichteten). Ein Jahr später beendete Wolf Bruske in gegenseitigem Einvernehmen und unter Anzeichen eines Burn-Out-Syndroms seinen Dienst als Pastor. Zuvor wurde der kirchliche Druck immer größer, da Bruske die "Doppelmoral" innerhalb der Kirche mehrfach angeprangert hatte.
Jetzt spricht Bruske in einem Zeitungsbericht Klartext. Ja, er sei schwul, erzählt er dem Südkurier; die Zeiten, in denen der noch verheiratete Familienvater Probleme hatte, sich zu outen, seien vorbei. Gleichzeitig kritisiert er den Umgang mit dem Thema Homosexualität in kirchlichen Kreisen: Christen seien oftmals voller Angst und schürten Gerüchte. In vielen Gemeinden seien Homosexuelle kaum geduldet, und wenn doch dann nur leise im Hintergrund. Gerne werden Homosexuelle wie Aussätzige behandelt.
Bruske gründet derzeit eine Zwischenraumgruppe im Raum Bodensee-Oberschwaben. Am 29. September soll es dort das erste Treffen homosexueller Christen geben.



Artikel: Südkurier - Pastor spricht Klartext: „Ja, ich bin schwul“
Kommentiert: gaywest - Baptisten auf dem Weg in die Moderne?
StevenMilverton - Entreicherung – Mangelnde Homophobie als Kündigungsgrund


Sonntag, 12. September 2010

EMK: Ausarbeitung 'Bibel und Homosexualität'

Prof. Dr. Barthel von der Theologischen Hochschule Reutlingen hat für die EmK Adliswil einen 19seitigen Vortrag ausgearbeitet, den man ohne weiteres als führend unter allen biblischen Ausarbeitungen weiterempfehlen kann. Man kann ihn aber auch als gelungene Antwort auf das AufAtmen-Dossier herannehmen, das den Leser ja vielmehr verwirrt als weitergebracht hat.

Denn Barthel erklärt nicht nur die biblischen Passagen in ihrem Zusammenhang, sondern geht darüber hinaus auf die christliche Gesamtbotschaft ein, die einen angstfreien Umgang mit dem Thema Homosexualität ermöglicht.

Ich weiss sehr wohl, dass manche Christen in diesem Punkt anders denken und behaupten, homosexuelle Orientierung sei »reparierbar« oder »heilbar«. [...] In seinem pauschalen Anspruch ist der reparative Ansatz wissenschaftlich haltlos und seelsorgerlich gefährlich. Wer zählt die psychischen und sozialen Kosten, die misslungene Versuche einer »Bekehrung« oder »Heilung« verursachen? Wer vermag eine wirkliche Neuorientierung von einer erzwungenen Anpassung zu unterscheiden? Wer kennt die Leiden, die eine nach aussen hin zur Schau gestellte Heterosexualität einem homosexuellen Menschen abverlangt?

PDF - "Bibel und Homosexualität - »Kann denn Liebe Sünde sein«?" (0,3 MB)

Sonntag, 22. August 2010

Evangelikale Christen: Dossier über Homosexualität

(Nachtrag) - Auch evangelikale Christen sind immer wieder bemüht, ihre Gedanken zum Streitthema Homosexualität schriftlich darzulegen. Geschehen zuletzt in der Zeitschrift AufAtmen dieses Frühjahr. Der "gegenwärtigen inner-evangelikalen Diskussion" wolle man in einem 20-seitigen Dossier "kritische Anmerkungen eröffnen".

Appell an Kirchengemeinden, Homosexuelle als Ex-Gays (!) zu bestätigen und sie auf ihrem Weg der Veränderung zu begleiten

In seinem Appell beschreibt Ulrich Eggers die Pflicht evangelikaler Christen, der Bibel als direktes Lehrbuch zum Thema Homosexualität gegenüber Gehorsam zu leisten - alles andere wird als säkulare Gesellschaftsmeinung oder Zeitgeist verstanden. Dementsprechend sollte Homosexuellen der Verzicht auf ihre Sexualität nahegelegt werden, was durch die Unterstützung in den Gemeinden und durch Therapieangebote zum Umpolen in den ExGay-Organisationen "Wüstenstrom" und "OJC" ermöglicht werden sollte. Homosexualität sei Sünde, nur wer versucht sie mittels Therapie zu überwinden, könne Jesus richtig nachfolgen.

PDF - "Warum wir uns verändern müssen, wenn wir bibeltreu bleiben wollen" (nicht abrufbar)


Wüstenstrom-Leiter Markus Hoffmann: "Handelt es sich bei Homosexualität wirklich um eine reife Liebesgemeinschaft oder doch um die gesuchte Erfüllung der Sehnsucht nach Mannsein?"


Hoffmann beschreibt anhand zweier Beispiele die Notwendigkeit jedes einzelnen Hilfesuchenden Homosexuellen, sich selbst für einen Prozess der Veränderung - weg von den homosexuellen Gefühlen - zu entscheiden. Dieser sei möglich, wenn man in sich selbst nach den wahren Ursachen der homosexuellen Gefühle forscht. Während homosexuelle Verbände lediglich ihre eigene Ideologie predigten, würde eine (Umpolungs)therapie helfen, die unterbewussten Defizite, die durch die Homosexualität gedeckt würden, freizulegen und auszuräumen. Dadurch würden sich homosexuelle Gefühle verringern und dem Menschen könne geholfen werden, sich ganzheitlicher und konfliktfreier zu erfahren. Diese Hilfe dürfe diesen Menschen nicht verwehrt werden. Die homosexuelle Orientierung bleibt für Hoffmann eine Störung, die zum Wohle des Menschen überwunden werden sollte - und wenn es ein Leben lang dauern sollte.

PDF - "Homosexualität als Anfrage - ein Plädoyer für das Recht auf Veränderung" (1,0 MB)


Pastor Christoph Kiene ist Ex-Gay und fühlt sich nach jahrelanger Unsicherheit endlich "häufiger männlich"


In einem offenen Lebensbericht über die Suche nach seiner eigenen Männlichkeit beschreibt Kiene sein ewiges Verlangen nach Annahme und Bestätigung durch andere Männer, und seinen Kampf, immer wieder durch Therapie und Sich-selbst-hinterfragen an die Ursachen seiner homosexuellen Gefühle zu stoßen. Nachdem er sich schlussendlich in eine Frau verlieben konnte lebt er heute asexuell - seine Sehnsucht nach Liebe gleicht er aus mit seinem Glauben.

PDF - "Dieser Weg wird kein leichter sein - über die Freiheit und den Kampf, sich für einen anderen Weg zu entscheiden" (nicht abrufbar)


Der krampfhafte Versuch, mit einschlägigen Bibelversen homosexuelle Menschen weiterhin zu verdammen, bleibt am eigenen Ansatz stecken


Christoph Raedel findet, dass man sich trotz biblischer Aussage gegen die Todesstrafe und für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzen könne, Homosexualität aber nach wie vor verdammungswürdig bliebe. Der Beweis liefere die Bibel selbst, die eine Beziehung nur innerhalb einer heterosexuellen Ehe billige, jede andere Beziehungsform aber ablehne. Ansonsten interessiere es herzlich wenig, ob der Homosexuelle überhaupt schwul lebt oder nur schwul ist.
Wahre Liebe bedeute eben nicht Erfüllung, sondern Aufopferung (der Sexualität), da sie im Falle homosexueller Menschen unvereinbar sei mit Gott.

Zusammengefasst: "
Die Sexualität ist ohne Zweifel eingewoben in die menschliche Identität; ihre Ausübung ist jedoch nicht notwendig, um die - in Christus geschenkte - Identität entfalten zu können."

Durchdachte Erklärungen sehen anders aus, hier aber wird der Leser mit einem Berg von Fragezeichen stehengelassen. Die Begründungen misslingen, sie entpuppen sich stets als wiederholte Eingangsthesen. So bezieht er sich beispielsweise auf Valeria Hinck (S. 61), um sie in ihrer Aussage der homosexuellen Prostitution zu Paulus' Zeiten zu widerlegen, was gründlich schiefgeht und letztendlich die eigene These in Frage stellt. Die erhobenen Argumente bilden einen Kreisschluss.

Sind Homosexuelle nun weniger liebenswert, weil sie sich scheinbar weniger als Heterosexuelle aufopfern?

Positiv bleibt hervorzuheben, dass Raedel gegen Ende seiner Abhandlung doch auf das Kreuz Jesu zu sprechen kommt, auch wenn sich für Raedel die Liebe Jesu scheinbar nur als Zeichen von "Zerrissenheit" und "Schmerz" im Leben eines Menschen auswirkt. Was nützt auch die ganze "Erkenntnis", wenn die Liebe nicht vorhanden ist? Diese lebensbejahende und heilende Liebe aber ist von Gott und durch Jesus Christus am Kreuz sichtbar geworden, mit der uns Gott zuvor schon geliebt hat. Diese Liebe befähigt jeden Christen, seine Mitmenschen zu lieben, ungeachtet deren sexuellen Identität. Nichts anderes tut Gott. Schade, dass dies Raedel in seiner 6seitigen Abhandlung entgeht.

PDF - "Homosexualität in der Bibel - der biblisch-theologische Befund in der Diskussion" (nicht abrufbar)

Update: aus urheberrechtlichen Gründen haben wir die Verlinkungen zu den Texten wieder entfernt, wir bitten um Verständnis. Die Ausgabe 01/2010 kann aber beim Bundes-Verlag GmbH Witten, Redaktion Aufatmen, nachbestellt werden.

Kommentiert: Die Wahrheit ist untödlich - Wenn Wut und Traurigkeit in die Isolation treiben
peregrinatio - Homosexualität: Trägt das Schöpferargument?
peregrinatio - Homosexualität: leiser streiten
peregrinatio - Heiße Eisen und gute Argumente


Donnerstag, 19. August 2010

Die amerikanische Homoehe-Debatte

Ohne Kommentar.


HatTip: Mädchenmannschaft

Dienstag, 17. August 2010

CSD Stuttgart - polarisiert

Nicht jeder mag die Selbstdarstellung Homosexueller auf ihrer Parade in deutschen Städten - aber die meisten doch. Jüngst haben in Stuttgart wieder 200.000 Menschen mit Homosexuellen auf der Straße gefeiert. Seit letztem Jahr zeigt eine andere Gruppe, was sie davon hält:

die Piusbrüder, eine katholische Splittersekte, bekannt geworden durch Leugnung des Holocausts und Menschenfeindlichkeit, nutzen den Stuttgarter CSD für ihre Message: Homosexualität sei eine Krankheit und der CSD das Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft zugrunde geht. Während des CSDs beten sie Maria an, halten Schilder mit diskriminierenden Botschaften und protestieren so gegen die Menschen, die ihre Homosexualität feiern und nicht verstecken wollen.

Beitrag von SPIEGEL-TV:



Samstag, 7. August 2010

Ein Kirchentag mit Folgen

Während trotz schlechten Wetters viele Besucher recht begeistert vom diesjährigen Ökumenischen Kirchentag aus München zurückgekehrt sind, gab es auch unzufriedene Teilnehmer. So beklagt die rechtsfundamentalistische Plattform "medrum.de", dass auf dem Kirchentag auch bestimmte Menschen ausgeschlossen würden. Mittels eines Flugblattes, das von der Exgay-Organisation Wüstenstrom und zwei christlichen Gruppierungen verteilt wurde, wird beklagt, dass der Kirchentag zwar jede Menge Veranstaltungen mit homosexueller Gesinnung anbieten würde, diejenigen aber zu kurz kämen, die "durch das Propagieren homosexueller Veranlagungen und ihres Auslebens in eine Konfliktlage geraten" seien. Die Kirche grenze sie aus und hätte kein Interesse daran, ihnen die nötige Orientierung zu bieten, die sie bräuchten. Wüstenstrom wirbt damit um Verständnis ihres Seelsorgeangebotes, Menschen mit "homosexueller Veranlagung" aufzunehmen und nach Wunsch umzupolen. Kritik wird vom Verein nicht akzeptiert, man spricht von "Verleumdung" und "Unterstellungen".

Mit dieser Aktion schafft sich Wüstenstrom allerdings ein Problem: versuchten sie bis dato noch, ihre Therapien als "ergebnisoffene" Beratung anzubieten, weist das Flugblatt auf eine vorbestimmte Zielführung und gibt somit dem Frankfurter Landgericht recht, das Wüstenstrom vor 2 Jahren bereits die selbsterklärte Ergebnisoffenheit absprach.

Auch pikant: Nebenbei erfährt man, dass Wüstenstrom auf Anfrage in einer evangelischen Gemeinde bereits Hausverbot erteilt bekam. Zusätzlich stellte sich heraus, dass die Fotos auf besagtem Flugblatt unrechtmäßig verwendet wurden.

Montag, 2. August 2010

Evangelikale Gastrednerin hält Homosexualität für “Ausdruck frühkindlicher Defizite”

übernommen aus dem Blog von Mission Gottesreich:

Umstrittenes Institut veranstaltete Tagung zum Thema Homosexualität

Sie hält Homosexualität für ein Problem, wahrscheinlich sogar für eine Krankheit oder Störung – die US-Amerikanerin Janelle Hallman. So veröffentlichte sie zum Beispiel einen Artikel mit dem Titel “Weibliche Homosexualität – Diagnostik und Therapieansatz“. Die evangelikale Christin nennt lesbische Frauen “betroffene Frauen”, spricht in einem weiteren Artikel von “Symptomen” und glaubt, dass “homosexuell empfindene Frauen tiefe ungelöste Konflikte haben”. Hallman schreibt auch, dass sogenannte “prä-lesbische Mädchen” “fast immer in einen ruhelosen Aktivismus” verfallen. Darunter versteht sie, wenn Mädchen “ständig draußen” sind, auf Bäume klettern, mit dem Vater angeln gehen oder Sport treiben. Damit würden sie zum “Sohn” der Familie, so Hallman.

Ihren Ansichten bietet das evangelikal geprägte “Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft” (DIJG) ein Forum. Auf dessen Internetseiten sind mehrere Texte von Janelle Hallman veröffentlicht. Dort steht auch, Hallman sei als “Therapeutin” seit etwa zehn Jahren auf die Begleitung von “Frauen, die ihre Homosexualität konflikthaft erleben” spezialisiert. Außerdem sprach Hallman nach einem Medienbericht auf der Tagung “Weibliche Identitätsverletzungen und Homosexualität” in Kassel, veranstaltet vom DIJG. Das berichtete das evangelikale Nachrichtenportal idea.de Anfang Juli 2010 unter der Überschrift “Homosexualität: Veränderung ist möglich“.

Nach Angaben von idea.de erklärte Hallman dort, dass eine “Veränderung homosexueller Gefühle” möglich sei, “wenn Verletzungen erkannt und verarbeitet würden”. Laut Hallman könne Homosexualität verschiedene Ursachen haben, schreibt idea.de, “unter anderem eine fehlende Bindung zur Mutter oder sexueller Missbrauch”. Gleichgeschlechtliche Gefühle seien ihr zufolge “in den meisten Fällen Ausdruck frühkindlicher Defizite”. “Betroffenen” könne mit einer “Therapie” geholfen werden, heißt es weiter. Sie müssten sich “ihrem tiefen seelischen Schmerz” stellen und auf den Weg machen, “um ihre eigene weibliche Identität zu entfalten”.

Das umstrittene “Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft” gehört zu der Gemeinschaft “Offensive Junger Christen” (OJC). Die Einrichtung ist wiederholt in die Kritik geraten, weil deren Mitarbeiter für eine angeblich mögliche Veränderbarkeit von Homosexualität werben. Sie setzten sich für Männer und Frauen ein, “die ihre homosexuelle Orientierung als unerwünscht und als konflikthaft” erleben, heißt es auf ihrer Internetseite. Zeit Online kritisierte das DIJG in dem Artikel “Schwulenhetze, streng wissenschaftlich“. Die taz nannte das Institut eine “pseudowissenschaftliche Einrichtung“.

Die Bundesregierung warnte 2008 vor sogenannten Therapieangeboten, die eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder einer homosexuellen Orientierung zum Ziel haben. Sie könnten zu Ängsten und Depressionen bis zum Selbstmord führen. Die Drucksache dazu steht im Internet. Die meisten evangelikalen Christen halten Homosexualität für Sünde, viele sogar für eine Störung oder Krankheit.

Kommentiert: partyzionist - lesbisch? das muss doch nicht sein!

Samstag, 31. Juli 2010

Ärztekammer: Konversionstherapien sind schädlich

Die Britische Ärztekammer erklärte jüngst sogenannte "Konversionstherapien", also den Versuch, Homosexuelle in Heterosexuelle umzupolen, als unseriös und schädlich.
So lehnen über zwei Drittel der Ärzteschaft diese Therapieform ab und sprechen sich für ein Verbot dieser Behandlungen in ihrem Verhaltenskodex aus. Auch sollen zukünftig keine dieser Behandlungen mehr von der Krankenkasse bezahlt werden.

Dieser Beschluss folgte den Ausführungen von Patrick Strudwick, der durch seine Undercover-Tätigkeiten im Exgay-Umfeld Englands diese Behandlungspraxis an die Öffentlichkeit gebracht hat (wir berichteten exklusiv für Deutschland).

Strudwick hofft nun, dass Hilfesuchende früh genug erkennen mögen, dass es sich bei Konversionstherapeuten nur um gefährliche Scharlatane handelt, die den Ratsuchenden höchstens schaden aber nicht helfen können. Die verletzlichen und suchenden Menschen, die mit ihrer Sexualität unglücklich sind, mögen erkennen, dass es die Welt um sich rum ist, die sich ändern müsse, und nicht der Mensch an sich, der sich nicht ändern kann.

Befürworter der Exgay-Bewegung halten stets dagegen, dass der einzelne Patient ein Recht auf Selbstbestimmung habe und ihm dieses Recht - auch in Form von Konversionstherapien - nicht abgesprochen werden dürfe.

Link: The Independent - BMA declares that 'conversion therapy' for gays is harmful
BoxTurtleBulletin - BMA: Ex-Gay Therapy Should Not Be Funded By NHS

Samstag, 24. Juli 2010

Roland Werner wird neuer CVJM Generalsekretär

Am 01. April 2011 übernimmt Dr. Roland Werner das Amt des Generalsekretärs beim CVJM in Deutschland. Werner studierte in Marburg Sprachwissenschaften und Theologie, gründete unter anderem den Marburger Christus-Treff und veröffentlichte 2009 eine neue Bibelübersetzung.
In den 80er und 90er Jahren machte Werner allerdings als Ex-Gay Schlagzeilen. Er leitete Seminare wie "Auswege aus der Homosexualität" oder schrieb Bücher wie etwa "Homosexualität - ein Schicksal?", in denen er Homosexualität als heilbare Krankheit darstellt. Heute sitzt Werner im Wissenschaftlichen Beirat der Exgay-Organisation "Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)" der "Offensive Junger Christen".

Den homosexuellen Freunden des CVJM stehen auch weiterhin keine leichten Zeiten bevor, werden sie sich auch zukünftig mit Ablehnung, Veränderungsdruck und Hass konfrontiert sehen. Ein Teilnehmer von Werners Seminaren äußerte sich folgendermaßen:
Es gab zwar keinen direkten psychischen Druck, aber die Grundaussage war klar: Homosexualität ist auf jeden Fall etwas Schlechtes...

Kommentiert:
Gaywest - Roland und die Hand Gottes
StevenMilverton - Bildungsreise mit Roland Werner und dem CVJM in die USA – Schwulenhass für 99 $ inbegriffen
Links: CVJM - Dr. Roland Werner neuer Generalsekretär des deutschen CVJM
taz - "das ist psychische Vergewaltigung!"

Mission: Aufklärung

Erstmalig - seit Bestehen des ExGay-Observers - wurde ein deutsches Projekt zur Aufklärung über sogenannte Homoheiler ins Leben gerufen:
Auch in Deutschland machen sich evangelikale, fundamentalistische Organisationen breit, die behaupten, Homosexualität sei veränderbar oder therapierbar. Sie nutzen die Nöte von jungen Menschen und die christlichen Werte zur Verbreitung homophober Ideologien.

Mit dem Netzwerk „Mission Aufklärung“ soll aber nicht nur über die Machenschaften der vermeintlichen Homoheiler informiert werden:

Wir wollen auch Betroffenen, etwa homosexuellen Christen, die in die Fänge von „Umpolern“ geraten sind, Alternativen und Möglichkeiten des Ausstiegs aufzeigen.

Das Angebot wird vom LSVD getragen. Wir freuen uns über dieses neue Hilfsportal sehr, und sehen uns in unserer Aufklärungsarbeit bestärkt.


Link: Mission Aufklärung
Kommentiert: Queer.de - LSVD verstärkt Kampf gegen 'Homo-Heiler'
hpd.de - "Mission Aufklärung" gegen "Homo-Heiler"
dbna - Aufklärung gegen "Homoheiler"

Dienstag, 27. April 2010

Soul survivors

Ryan Kendall, Christine Bakke und Dan Gonzales berichten von ihrem jahrelangen Märtyrium in evangelikal-christlichen Exgay-Therapien ("Umpolen der Sexualität").

Artikel auf englisch:
http://outfrontcolorado.com


In Deutschland bieten Wüstenstrom und Living Waters vergleichbare Behandlungen an, das "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" wirbt für solche Exgay-Methoden, evangelikale Freikirchen und christliche Organisationen verharmlosen und ignorieren dabei die potenziellen Schäden, von denen Hunderte sogenannter "Ex-Gay-Überlebender" bisher berichtet haben.

Mittwoch, 14. April 2010

Uganda: Unterschriften offiziell übergeben

Wir sagen den über 450.000 Unterzeichnern danke, die sich mit ihrer Stimme gegen die Unmenschlichkeit in Uganda stark gemacht haben (wir berichteten). Über die Brisanz der Menschenrechte in Uganda berichteten wir hier.
Gemeinsam mit religiösen Führern und Menschenrechtsaktivisten wurde in einer einstündigen Sitzung eine Petition mit den Unterschriften an den Sprecher des Parlaments von Uganda übergeben. Eine beispiellose Mobilisierung der Öffentlichkeit gegen ein Gesetz, das die Todesstrafe für Homosexuelle in Uganda vorsehen würde.

Links: Daily Monitor - 450,000 sign to kill anti-gay bill
Voice of America - Petition against Anti-Gay Bill delivered

Freitag, 5. März 2010

Peterson Toscano berichtet ausführlicher über seine Ex-Gay-Vergangenheit

17 Jahre lang lebte Peterson Toscano als Ex-Gay seinen täglichen Kampf gegen die Homosexualität. Heute ist er einer der bedeutendsten Ex-Gay-Überlebenden ("Ex-Ex-Gay") und berichtet länderweit über die Praxis der Ex-Gay-Organisationen in Amerika und Europa. Das englische WINQ-Magazine veröffentlicht nun ein mehrseitiges Interview, in dem Toscano über seine Ex-Gay-Zeit spricht als Streetworker, Ehemann, seinen Glauben und sein Sexleben. Auszugsweise hier ein Text über dessen Zeit beim Nyack College (eine christliche und missionarische Hochschule), und die ersten Streifzüge in die Welt der Gays und Ex-Gays in New York während der AIDS-Krise der frühen 80er Jahre:
Und so fingen sie an, die Sitzungen ausgewählter Bibelstudien und Gebetszeiten. Er wurde von seinen Mitschülern erstaunlich gut akzeptiert, die ihn in seinem Kampf gegen seine Sexualität ermutigten. In einer weitläufigen und einsamen Stadt war Peterson froh, eine liebevolle und unterstützende Community in der Hochschule zu haben, die alle von seinem 'Problem' wussten und seinen Einsatz bewunderten, wie er es anging. Als christliche Hochschule ermunterte das Nyack College die Studenten, an den Outreach-Aktivitäten teilzunehmen. Er und seine Kollegen würden jede Samstag nacht im Greenwich Village Zeugnis geben, um die Seelen im Herzen des New Yorkers Schwulenbezirk zu erretten. Während dieser Zeit der Furcht wurden sie erstaunlich gut in der Community aufgenommen, und Peterson erinnert sich: "Unsere Bibeltreffs waren voll - dutzende Leute kamen, die alles taten um nicht schwul sein zu müssen. Während Aids die örtliche Community verwüstete, hatten wir das Gefühl als hätten wir unsere eigene Arche Noah geschaffen, und sammelten nun all diese Homosexuellen, um sie vor dem Sex zu beschützen. Das alles mit den besten Absichten - und selbst heute gibt es geoutete, glückliche homosexuelle Menschen, die glauben, dass sie als Teil dieses Dienstes ihr Leben bewahrt haben." Peterson schloss sich Life Ministries an, die die Nyack-Mission innerhalb der Gay-Community unterstützte, wo er dann das erste mal von Exodus hörte - der nationalen Dachorganisation aller Gruppen, die sich zum Ziel setzen, Menschen aus der Homosexualität herauszuhelfen. Heute beinhaltet diese Organisationen über 230 Ex-Gay-Gruppen weltweit.
Auf seiner Homepage warnt Toscano nochmals eindringlich vor einer Umpolungstherapie bei einer der Ex-Gay-Organisationen:
Ich weise noch einmal auf das große Leid hin, das entstehen kann, wenn versucht wird, die Sexualität eines Menschen zu verändern oder zu unterdrücken. Ich gründe diese Warnung auf die persönlichen Gespräche mit über 1.500 Menschen, die mir einen Umriss ihres Leidens geschildert haben, das sie erfahren haben als Folge ihrer Zeit in der Ex-Gay-Behandlung und in einer Welt, die darauf besteht, dass man als Hetero mehr wert ist. Das sind Lügen. Du bist eine Person von großartigem Wert, und du kannst in dieser Fülle leben, einfach indem du autentisch bist und ehrlich und in der Realität bleibst.
Download vollen Artikel (englisch): (PDF)

Links:
Peterson Toscano - TMI Everything You Ever Need Know about my Ex-Gay Past
FAZ - Entschwulung zum Ehemann

Donnerstag, 4. März 2010

Widdert: Homosexualität von Gott gewollt?

Die Evangelische Kirche Widdert (bei Solingen) lud am 28. Februar zum Domino-Gottesdienst ein mit dem Thema "Wenn Liebe anders ist - Ist Homosexualität von Gott gewollt?"

Dazu befragt wurde D. Neidhardt von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e. V. (HuK). Die ca. 100 Besucher erlebten einen sehr musikalischen und herausfordernden Gottesdienst, denn das Thema Homosexualität und Christsein wurde direkt angepackt: "wann" ist so etwas "normal", wie die Bibel richtig und wie sie falsch gelesen werden könne, und um was es Jesus letztenendes wirklich ging. Die Botschaft war ein Appell an die gelebte Nächstenliebe, die Gemeinde heiße daher jeden willkommen.
In seiner Predigt berichtete der Gemeindepastor von seiner ersten Begegnung mit einem schwulen Kommilitonen, und wie dessen Outing in der Gruppe ein Umdenken bewirkte. Plötzlich waren das nicht "alles Kranke und Sünder", plötzlich war "es" in Form eines ganz normalen Menschen unter ihnen.

Mittwoch, 3. März 2010

Ärzte wollen noch heute Schwule 'bekehren'

Der Medical Tribune berichtet kurz von Professor Michael Kings Auftritt auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde:

"Seelenärzte möchten Schwule bekehren"
Das gibt‘s auch heute noch ...

Medical Tribune Bericht

BERLIN – Dass Homosexualität keine behandlungsbedürftige „Krankheit“ ist, weiß heute jeder – oder doch nicht?


Vieles ist in der Vergangenheit versucht worden, um Homosexuelle doch noch irgendwie „umzudrehen“. Vor allem verschiedene Formen einer Aversionstherapie, bei denen die Patienten beim Anblick homo­erotischer Bilder mit Elektroschocks oder Emetika (Brechmittel) gequält wurden, gehörten zum therapeutischen Arsenal. Aber auch mit „systematischer Desensibilisierung“ oder „Training sozialer Fähigkeiten“ versuchte man Homosexuelle zu „heilen“.


Aus Schwulen und Lesben Heteros machen ...


All diese Methoden haben zweifellos viel Leid über die Betroffenen gebracht, sagte Professor Dr. Michael King vom Department of Mental Health Sciences, Royal Free Campus London, auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Spätestens seit den 80er-Jahren sind diese „Therapieversuche“ ausgestorben und sollten zur Medizingeschichte gehören. Die Ergebnisse einer Umfrage bei britischen Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern werfen hier jedoch Zweifel auf. Auf die Frage, was sie mit einem Patienten machen würden, der eine Änderung seiner sexuellen Orientierung wünscht, gaben 4 % an, einen entsprechenden Therapieversuch zu wagen. Weitere 10 % meinten, sie würden den Patienten zu diesem Zweck an einen versierteren Kollegen überweisen.

Sozialer Druck sorgt für Behandlungswunsch


Einer von sechs Kollegen gab zu, es selbst schon einmal versucht zu haben. Keineswegs handelte es sich hierbei um „Altlasten“. 92 % dieser „Therapieversuche“ bei insgesamt 413 Patienten waren nach den 80er-Jahren erfolgt, ohne dass sich über die Jahre eine abnehmende Tendenz erkennen ließ.
Und worin lagen die Gründe für den Therapiewunsch des Patienten? In 57 % der Fälle gaben die Behandler eine Verwirrtheit der Patienten über die sexuelle Orientierung an. Als weitere Gründe wurden u.a. genannt: sozialer Druck in der Familie, psychische Probleme und religiöse Überzeugungen. In 66 % der Fälle beließen es die Kollegen bei Beratungsgesprächen. 14 % der Patienten wurde eine Psycho- und 15 % eine Verhaltenstherapie angeboten. Medikamente kamen bei zehn Patienten (2 %) zum Einsatz. Die Untersuchung macht deutlich, dass bei einer gar nicht so kleinen Minderheit der Psychiater und Psychotherapeuten die Idee der „behandelbaren Homosexualität“ immer noch in den Köpfen herumgeistert, meinte Prof. King.